Das sind die zwei Seiten der ägyptischen Revolution.

Auf dem Tahrir-Platz schlägt die Polizei in gewohnt brutaler Weise Demonstranten nieder. Neun Tote und Hunderte Verletzte sind die Bilanz der beiden vergangenen Tage in Kairo. Am Donnerstag ging die zweite Wahlrunde zu Ende – wie schon in der ersten Runde wurde an zwei Tagen gewählt. Zusammen mit den Stichwahlen gingen die Ägypter also schon an fünf Tagen seit dem 28. November zur Wahl. Eine weitere Runde und mindestens drei Wahltage werden folgen. Mitte Januar soll das Endergebnis feststehen.

Schon heute lassen sich Tendenzen erkennen. Die Stärke der Islamisten ist eine. Der relative Erfolg von liberalen Politikern und die anhaltenden Spannungen zwischen Parteien, Aktivisten auf dem Tahrir-Platz und der Generalsherrschaft eine andere. Wird es besser, wenn Ägypten endlich durch ist mit der Wahl?

Die Ägypter haben es nicht leicht mit den ersten Schritten in die Demokratie. Welches Volk würde schon über so viele Runden und Wahltage hinweg begeistert abstimmen? Die Planer der Wahlen müssen sich über die sinkende Beteiligung von Runde zu Runde nicht wundern. Die Auffächerung des demokratischen Urerlebnisses über so viele Wochen hat den Zauber des ersten Wahltags verfliegen lassen. Wählen wird zur Routine. Die Neigung, auch mal nicht abzustimmen, nimmt zu.

In drei Runden zu wählen, ist ein Erbe der Mubarak-Zeit. Der Herrscher ließ etwa 2005 im ersten Wahlgang unter halbfreien Bedingungen abstimmen, schaute sich die Ergebnisse an und begann im zweiten Wahlgang zu manipulieren. In der dritten Runde wählte die Polizei die Wähler mit dem Knüppel aus. Allein schon weil das Wahlrecht historisch belastet ist, sollte Ägypten die Tradition der drei Wahlgänge über Bord werfen.

Auch das Argument, die Sicherheit im ganzen Land ließe sich in drei Runden besser gewährleisten, hat sich mittlerweile erübrigt. Die Wahlen verliefen bislang friedlich. Dass nun die Gewalt auf dem Tahrir-Platz erneut aufflammt , hat weniger mit den Wahlen zu tun als mit der Polizeitaktik. Eine Änderung des Wahlgesetzes ist absolut überfällig.

An dem wird künftig maßgeblich die Partei für Freiheit und Gerechtigkeit mitarbeiten. Der politische Arm der Muslimbruderschaft ist die stärkste politische Kraft im Land. Sie hat über 40 Prozent der Stimmen erhalten, in den Stichwahlen sind ihre Kandidaten die erfolgreichsten. Das war erwartet worden. Unerwartet hoch ist der Anteil der Konkurrenz von rechts, der islamistischen Salafisten . Sie kommen teilweise bis auf 20 Prozent der Stimmen.