Mit seinen toupierten Haaren, den Plateauschuhen und seinen aus der Mode gekommenen Blouson-Anzügen wurde Kim Jong Il gern belächelt. Doch Nordkoreas Staatschef war ein ebenso geschickter wie rücksichtsloser politischer Machtmensch, der trotz Hungersnöten in seinem Land im Luxus lebte und ein Atomprogramm entwickeln ließ. Der Westen unterstellte ihm auch schon mal Größenwahn, weil er sich mit der Supermacht USA angelegt hatte.

Am Samstag starb Kim Jong Il an einem Herzinfarkt. Erst zwei Tage später verbreiteten die Staatsmedien die Nachricht vom Tod des "Großen Führers". Die Beisetzung soll am 28. Dezember in Pjöngjang sein, bis 29. ist Staatstrauer angesetzt. Kims Sohn Kim Jong Un soll Nachfolger werden.

Seit mehreren Jahren hatte Kims Gesundheit nachgelassen. 2008 erlitt er einen Schlaganfall, seitdem war seine linke Körperhälfte beeinträchtigt. Außerdem hatte er Berichten zufolge Nierenprobleme, Diabetes und Bluthochdruck. Genaues wusste kaum jemand: Kims Gesundheitszustand war Staatsgeheimnis.

Kim Jong Il (auf einem undatierten Bild der staatlichen koreanischen Nachrichtenagentur) © KCNA/AFP/Getty Images

Beobachtern fiel jedoch auf, dass Kims Entscheidungen immer irrationaler erschienen, etwa der Angriff auf ein südkoreanisches Marineschiff im März 2010 im Grenzgebiet zu Südkorea, bei dem 46 Soldaten starben. Nordkorea wies jegliche Verantwortung von sich. Laut CIA-Chef Leon Panetta wollte Kim Jong Il mit solchen riskanten Aktionen die Glaubwürdigkeit seines Sohnes Kim Jong Un in militärischen Belangen unter Beweis stellen. Denn Kim baute seinen jungen Sohn, der 1983 oder 1984 geboren wurde, als Nachfolger auf.

Kim selbst hatte einst seinen Vater an der Staatsspitze abgelöst. Als der Gründer Nordkoreas Kim Il Sung 1994 starb und der Sohn drei Jahre später offiziell seine Nachfolge antrat, wurde der Führerkult auf ihn übertragen.

Um die "Große Sonne der Nation" ranken sich seitdem zahlreiche Mythen. So sollen nach offizieller Darstellung nach seiner Geburt am 16. Februar 1942 in einem anti-japanischen Camp auf dem Heiligen Berg Paekdu in Korea ein Stern und ein doppelter Regenbogen am Himmel erschienen sein. Nach Ansicht westlicher Experten wurde er dagegen in einem Ausbildungslager der sowjetischen Armee bei Chabarowsk in Sibirien geboren, von wo aus sein Vater den Kampf gegen die japanischen Besatzer Koreas führte.

Unter Kim soll Schätzungen zufolge zwischen 1996 und 1999 rund eine Million Nordkoreaner verhungert sein. Dennoch fand der Machthaber stets ausreichend Ressourcen, um das Atomprogramm seines Landes voranzutreiben. 2006 schreckte er die Welt mit Berichten über den ersten Atomwaffentest des Landes. Notwendige wirtschaftliche Reformen lehnte Kim hingegen stets ab, um die Kontrolle über das Land nicht zu verlieren. Mit Propaganda, Personenkult und gefürchteten Arbeitslagern festigte er seine Macht.