In Nordkorea haben die Staatsmedien den jüngsten Sohn von Kim Jong Il erstmals als Oberbefehlshaber der Streitkräfte bezeichnet. Nordkorea werde "die Aufgabe der Militär-Zuerst-Revolution unter Genosse Kim Jong Un als unseren obersten Befehlshaber und General vollenden", hieß es in einem Leitartikel der Parteizeitung Rodong Sinmun . Kim Jong Un werde fortan an der Spitze des Militärs stehen, meldete auch die Agentur KCNA am Samstag. Bislang war der nicht einmal 30-jährige Diktatorensohn in den Staatsmedien als "großer Nachfolger" bezeichnet worden.

Kim Jong Il, der das hochgerüstete, aber verarmte Land bis zu seinem Tod 17 Jahre lang regiert hatte, war nicht nur Oberkommandierender der Volksarmee, sondern auch Generalsekretär der Arbeiterpartei und Vorsitzender der staatlichen Verteidigungskommission. Die Kommission ist das höchste Entscheidungsgremium des Landes. Es wird in Südkorea nicht ausgeschlossen, dass die Oberste Volksversammlung bei ihrer nächsten Sitzung den Sohn formal als Vorsitzenden der Kommission einsetzen wird.

Kim Jong Il war am vergangenen Samstag an einem Herzinfarkt gestorben . Das Regime veröffentlichte die Todesnachricht erst am Montag. Die Beisetzung soll am kommenden Mittwoch stattfinden.

Das kommunistisch regierte Land steuert nun erstmals in seiner Geschichte auf eine Machtteilung zu . Der politisch unerfahrene Kim Jong Un soll nicht als Autokrat, sondern gemeinsam mit seinem Onkel Jang Song Thaek und dem Militär herrschen, wie die Nachrichtenagentur Reuters von einer Person mit engen Verbindungen zu den Regierungen Nordkoreas und Chinas erfahren hatte.

Formell allerdings werde der von seinem Vater als Nachfolger aufgebaute junge Kim an der Spitze der Führungsriege stehen. Die Generäle hätten ihm die Treue geschworen. Ein Putsch sei damit sehr unwahrscheinlich.