Energiekrisen, Epidemien oder Ernteausfälle sind je nach Sichtweise und Lebenssituation weit weg oder sehr nah. Doch so oder so sind sie weltweite Phänomene und betreffen am Ende jeden. Derart globale Herausforderungen können nur durch internationale Zusammenarbeit bewältigt werden, eine Alternative dazu gibt es nicht.

Diese Art Zusammenarbeit ist in der Industrie längst Normalität, die Politik dagegen tut sich damit schwer. Dabei haben es Nationalstaaten durchaus schon geschafft, einem globalen Ziel Vorrang vor nationalen Interessen einzuräumen, wie beispielsweise das Montrealer Protokoll zeigt. Das Abkommen von 1987 regelt den Schutz der Ozonschicht. Es wurde möglich, weil ein postnationaler Ansatz verfolgt wurde.

Die Idee des Postnationalismus' geht unter anderem auf Jürgen Habermas zurück. Sie bezieht sich ausdrücklich auf Nationalstaaten, die sich von nationalen Prioritäten lösen und globale Belange als vordringlich anerkennen sollten. Schon die Natur globaler Herausforderungen verlange von Entscheidungsträgern demnach, globalen Gütern den Vorrang vor nationalstaatlichen Interessen zu geben oder sie zumindest mit ihnen auf eine Stufe zu stellen.

Dass globale Güter und nationale Interessen sich nicht überschneiden, ist ein Fehlschluss. Im Gegenteil: Auf lange Sicht gibt es viele solcher Schnittmengen, doch oftmals sind sie entweder unbekannt oder ihr Nutzen erschließt sich nicht unmittelbar. Das Dilemma bei internationalen Verträgen über öffentliche Güter ist, dass ein Staat sich seinem Handeln Beschränkungen auferlegt, ohne zu wissen, ob die anderen Beteiligten dem Beispiel folgen werden.

Fallstudien belegen die Wirksamkeit

Anlässe für koordinierten Postnationalismus gibt es viele. Auf Zusammenkünften wie den G-8- und G-20-Gipfeln wird Postnationalismus bisweilen theoretisch – wenn auch nicht immer praktisch – umgesetzt. Allerdings sind die Erklärungen dieser Treffen nicht rechtsverbindlich –  das Montrealer Protokoll ist hier noch eine Ausnahme. Auch deshalb sind die Erwartungen an den Klimagipfel in Durban so niedrig.