"Die Malediven mögen sehr klein sein. Aber wir können mehr Druck entfalten, als wir es uns je hätten vorstellen können." So optimistisch beschreibt der maledivische Präsident Mohamed Nasheed die politische Bedeutung seines kleinen Landes im globalen Kampf gegen den Klimawandel.

Die UN-Klimakonferenz in Durban lenkt die Aufmerksamkeit für einen kurzen Moment auch auf Länder wie die Malediven, die sonst abseits des Weltgeschehens stehen – kleine Inselstaaten, die teilweise nur einen bis zwei Meter aus dem Ozean herausragen und wegen des steigenden Meeresspiegels gegen den Untergang kämpfen.

Die Malediven, die Marshall-Inseln oder die kleine Atollnation Tuvalu stecken in einer verzweifelten Situation. Sie selbst haben wegen ihrer verschwindend geringen Emissionen nur wenig zu ihrer misslichen Lage beigetragen. Gleichzeitig verfügen sie über keinerlei politische Macht, um das Verhalten der größten Klimasünder zu beeinflussen. Wie können sie dennoch Einfluss auf die globale Klimapolitik nehmen?

Der einzige Weg, der ihnen bleibt, ist die Macht der Worte und des guten Beispiels. Durch strategische Kommunikation versuchen die betroffenen Staaten, ihrer Stimme mehr Gewicht zu verleihen. Der Klimawandel sei nicht nur ein Problem für die Umwelt, argumentieren sie, sondern gefährde ganze Nationen und Kulturen. Außerdem sei auf den Inseln zu beobachten, welche Folgen der Klimawandel schon bald weltweit haben werde: häufige Stürme, Überschwemmungen, Versalzungen der Böden. Ihre Botschaft: Heute Malé, morgen New York.

Umweltpolitische Nichtregierungsorganisationen helfen den kleinen Inselstaaten, mit ihrer Botschaft die politischen Entscheidungsträger und die Bevölkerung in der entwickelten Welt zu erreichen. So war beispielsweise die spektakuläre Unterwasser-Kabinettssitzung der maledivischen Regierung im Oktober 2009 eine Aktion im Rahmen des von 350.org organisierten International Day of Climate Action.

Während die meisten der betroffenen Inselstaaten den Industrienationen die Schuld am Klimawandel zuweisen und sie an ihre Emissionsziele erinnern, stellen die Malediven seit ein paar Jahren das Thema bewusst anders dar. Sie betonen jetzt vor allem, welche Chancen sich aus einer grünen Wirtschaft ergeben können, die unabhängig von fossilen Energieträgern ist.

Als erstes Land der Welt haben die Malediven daher beschlossen, bis 2020 CO2-neutral zu werden. Andere Inselstaaten sind inzwischen diesem Beispiel gefolgt. Sie wollen zeigen: Wenn wir Kleinen, Armen das können, dann könnt ihr Großen, Reichen mit eurem technischen Know-how das auch; langfristig wird es sogar zu eurem Vorteil sein! Wichtiger Träger dieser Botschaft ist Präsident Nasheed, der sich persönlich stark engagiert und als erster frei gewählter Präsident seines Landes auch international hohes Ansehen genießt.

Das Ergebnis der Öffentlichkeitsarbeit: Die Inselstaaten haben ein Bewusstsein für ihre kritische Lage geschaffen. Die Politiker und Bevölkerungen in den Industrienationen wissen jetzt von den Ländern, die mitten im Ozean um ihre Existenz kämpfen. Auch deshalb umfassen Klimaverhandlungen, wie gerade in Durban, inzwischen nicht nur Umwelt-, sondern auch Sicherheits- und Entwicklungsthemen.

Ein neues, umfassendes Klimaabkommen wird nicht allein durch den Einfluss der Malediven und ihrer Partner zustande kommen. Aber vielleicht tragen gerade die kleinen Inselstaaten durch ihre Beharrlichkeit dazu bei, dass irgendwann der Durchbruch gelingt.