In Kairo ist es erneut zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Einsatzkräften der Militärregierung gekommen. Soldaten mit Schlagstöcken stürmten den zentralen Tahrir-Platz, schlugen auf die Menschen ein und setzten deren Zelte in Brand.

Zuvor hatten Demonstranten bei den Protesten gegen die Militärregierung mit Steinen geworfen und sich mit den Einsatzkräften angelegt. In der Nähe des Platzes stand ein Gebäude in Flammen.

Viele Demonstranten flohen vor den Soldaten in die Seitenstraßen des Platzes. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, schlugen die Einsatzkräfte auf Menschen ein, die bereits am Boden lagen. Warnschüsse waren zu hören. Die Militärpolizei räumte zwei Lager der Protestbewegung am Tahrir-Platz und vor dem Kabinettsgebäude, nahm zahlreiche Demonstranten fest und verlegte anschließend Stacheldraht.

Widersprüchliche Angaben zum Auslöser der Unruhen

Am Vorabend hatten Demonstranten Brandsätze und Steine geworfen. Die Soldaten setzten Schlagstöcke und Elektroschocker ein. Über dem Parlament und dem Regierungsgebäude in der Innenstadt lagen dichte Rauchwolken.

Über den Auslöser der Gewalt gab es widersprüchliche Angaben. Der von der Armee eingesetzte Ministerpräsident Kamal al-Gansuri sprach von Angriffen der Demonstranten auf Gebäude des Parlaments und des Kabinetts, die abgewehrt werden mussten. In staatlichen Medien hieß es, ein junger Mann sei auf das Gelände des Parlaments gegangen, um einen Fußball zurück zu holen. Dort sei er von der Polizei und Wachleuten geschlagen worden. Anderen Darstellungen zufolge wollte der Mann sein Lager dort aufschlagen und löste dadurch ein Handgemenge mit den Einsatzkräften aus.

"Das ist keine Revolution, sondern eine Konterrevolution"

Bei den schwersten Zusammenstößen seit Beginn der Parlamentswahlen waren nach Berichten des staatlichen Fernsehens zufolge neun Menschen getötet und mehr als 300 verletzt worden. "Das ist keine Revolution, sondern eine Konterrevolution" sagte al-Gansuri. Die Akteure der neuen Proteste in Kairo seien "nicht die jungen Leute der Revolution", die zum Sturz Hosni Mubaraks geführt habe. Die Demonstranten forderten seine Ablösung sowie die rasche Machtübergabe vom Militär an eine gewählte Zivilregierung.

In Ägypten finden derzeit die ersten freien Parlamentswahlen statt. Die Abstimmung in mehreren Runden soll im Januar abgeschlossen werden. Für Juni sind Präsidentschaftswahlen geplant. Seit dem Sturz Mubaraks herrscht ein Militärrat.