Nigerias Präsident Goodluck Jonathan hat nach der Anschlagsserie auf Christen an Weihnachten über Teile seines Landes den Notstand verhängt. Betroffen sind vier Bundesstaaten im Norden, in denen Islamisten aktiv sind. Die Grenzen würden dort geschlossen, "bis die Normalität wieder hergestellt ist", sagte Jonathan in einer vom Staatsfernsehen übertragenen Rede. "Grenzüberschreitende terroristische Aktivitäten" sollten so verhindert werden, hieß es.

Zudem sei der Verteidigungschef angewiesen worden, eine neue Anti-Terror-Truppe zu bilden, sagte Jonathan. Zuvor hatte der Präsident der katholische Kirche St.Theresa in Madalla am Rande der Hauptstadt Abuja unter hohen Sicherheitsvorkehrungen einen Besuch abgestattet. Dort waren Angehörige der Opfer zusammengekommen, die in dem Gotteshaus getötet worden waren.

Mitglieder der islamischen Sekte Boko Haram hatten am ersten Weihnachtsfeiertag Anschläge auf mehrere Kirchen im ganzen Land verübt. Ingesamt starben bei den Attentaten mindestens 49 Menschen. Allein beim schwersten Anschlag in der St.Theresa-Kirche starben 37 Menschen, 57 wurden verletzt. "Wir werden die Terroristen vernichten", versprach Jonathan den Trauernden bei seinem Besuch.

Seit den Anschlägen stieg die Angst vor einer Eskalation religiöser Gewalt in Nigeria merklich. Der Norden des westafrikanischen Landes ist mehrheitlich von Muslimen bewohnt, während im ölreichen Süden die Christen in der Mehrheit sind. Christliche Vertreter in Nigeria hatten nach der Anschlagsserie an Weihnachten mit Vergeltung gedroht, wenn es zu weiterer Gewalt gegen Christen kommen sollte. Die Angriffe würden als "Kriegserklärung" verstanden, hatte der Präsident der Vereinigung der Christen Nigerias, Ayo Oritsejafor, gesagt. Gegebenenfalls müsse man mit einer "angemessenen Antwort" reagieren.

Am Freitag kamen bei einer Bombenexplosion in der Stadt Maiduguri nahe einer Moschee nach Polizeiangaben mindestens fünf Menschen ums Leben. Weitere wurden verletzt. Die Stadt gilt als Hochburg der Boko Haram. Anwohner sagten, der Anschlag gehe auf das Konto von Boko Haram, andere vermuteten einen Vergeltungsschlag christlicher Gruppen.