Nach dem Tod von Militärmachthaber Kim Jong Il hat Nordkorea mehrere Armeeeinheiten von jährlichen Winterübungen wieder in die Kasernen zurückgerufen. Einige davon seien inmitten ihrer Übungen zu ihren Stützpunkten zurückgekehrt, berichtete die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf Militärkreise.

Alle militärischen Einheiten hätten zudem die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt, hieß es. Es gebe jedoch bislang keine ungewöhnlichen Bewegungen oder Anzeichen von Provokationen auf der Seite Nordkoreas.

Der Tod Kim Jong Ils besorgt viele Verantwortliche in der Region. Denn noch ist unklar, ob die Führungsriege hinter dem gestorbenen Diktator dessen Sohn als Nachfolger ernst nimmt. Kim Jong Il hatte seinen Sohn Kim Jong Un in den vergangenen Jahre schrittweise auf die Nachfolge in dritter Generation vorbereitet. Der Sohn soll Ende Zwanzig sein.

Beobachter in Südkorea schlossen neue Provokationen des Nachbarlandes während des Machtwechsels nicht aus. Der nördliche Nachbar besitzt Atomwaffen und schoss immer wieder zu Testzwecken Raketen ab – auch am Montag sollen zwei getestet worden sein.

Hu Jintao kam persönlich

Nordkoreas Staatsmedien hatten am Montag mit zweitägiger Verspätung den Tod Kim Jong Ils mitgeteilt. Der Diktator wurde nach offiziellen Angaben 69 Jahre alt. Am 28. Dezember soll er beigesetzt werden, bis 29. Dezember ist Staatstrauer angeordnet. Auch das kommunistische Kuba lässt drei Tage lang offiziell um Kim trauern.

Japan kondolierte offiziell – trotz des gespannten Verhältnisses zu Nordkorea. Chinas Präsident Hu Jintao ging persönlich in die nordkoreanische Botschaft in Peking, um sein Beileid auszudrücken, meldete die Nachrichtenagentur Xinhua. Dieser hochrangige Kondolenzbesuch ist eine wichtige Geste politischer Unterstützung für Nordkorea, dessen Abhängigkeit von China in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist. China selbst ist an hoher Stabilität in der Region interessiert.

Auch Südkorea kondolierte

In einem Telefonat mit dem japanischen Regierungschef Yoshihiko Noda wies US-Präsident Barack Obama auf die Entschlossenheit der USA hin, "unsere engen Verbündeten, einschließlich Japans, zu verteidigen". Obama habe auch die Wichtigkeit der Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und in der gesamten Region unterstrichen, teilte das Weiße Haus mit.

Nach längerem Abwägen sprach Südkoreas Regierung den Nachbarn ihr Mitgefühl aus. Die Regierung werde zwar keine offizielle Trauerdelegation nach Pjöngjang entsenden, sagte Vereinigungsminister Yu Woo Ik. Das Land erhöhte seine Alarmbereitschaft wegen möglicher Cyber-Attacken aus Nordkorea. Nach der in Friedenszeiten geltenden Stufe fünf gelte jetzt Stufe vier, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hatten sich nach dem Untergang eines südkoreanischen Kriegsschiffes im März 2010 und dem Beschuss einer zu Südkorea gehörenden Insel durch die nordkoreanische Artillerie im November desselben Jahres spürbar verschärft. Südkorea macht den Norden auch für den Schiffsuntergang verantwortlich, was eine internationale Untersuchung bestätigte. Nordkorea bestreitet eine Verwicklung. Bei beiden Vorfällen starben 50 Menschen.