Nach seiner Ernennung zum neuen Führer Nordkoreas ist Kim Jong Un nun auch offiziell zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte erklärt worden. Der Sohn des verstorbenen Machthabers Kim Jong Il übernehme das Amt entsprechend einer Anordnung seines Vaters vom 8. Oktober, teilte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA mit. Die Entscheidung sei am Freitag bei einem Treffen des Politbüros des Zentralkomitees der Arbeiterpartei verkündet worden, berichteten die staatlichen Medien.

Die Übernahme des Oberbefehls über die 1,2 Millionen Mann starke Volksarmee werten Beobachter als ein klares Zeichen dafür, dass der erst knapp 30-jährige Kim Jong Un seine Stellung weiter gefestigt hat. Nach Ansicht Südkoreas und der USA vollzieht sich der Machtwechsel in Nordkorea bisher stabil. Beobachter gehen davon aus, dass Nordkorea den Machtwechsel beschleunigen will. Staatsmedien hatten Kim Jong Un schon zuvor als Oberbefehlshaber bezeichnet.

Das Militär ist ein wichtiger Machtfaktor in dem abgeschotteten Staat, dessen Armee die viertgrößte der Welt ist. Kim Jong Il hatte in den neunziger Jahren die sogenannte Songun-Doktrin beschlossen, was übersetzt "Die Armee zuerst" bedeutet. Dem Militär kommt damit größere Bedeutung als der Zivilbevölkerung zu. In den vergangenen Jahren hatte Kim Jong Un nach und nach wichtige Posten in Armee und Partei übernommen. Seit September 2010 war er regelmäßig an der Seite seines Vaters aufgetreten. Zu diesem Zeitpunkt wurde er zum Vier-Sterne-General ernannt. 

Pjöngjang schließt politischen Kurswechsel aus

Bei dem Treffen des Politbüros sei die Notwendigkeit betont worden, dass "Kim Jong Un als das einzige Zentrum der Einheit, des Zusammenhalts und Führung der Arbeiterpartei" hochzuschätzen sei, berichtete die Nachrichtenagentur KCNA. Das Militär sollte die "Militär-Zuerst"-Politik Kim Jong Ils fortsetzen.

Einen Kurswechsel soll es demnach unter dem neuen Machthaber nicht geben. Die Nationale Verteidigungskommission, das wichtigste Entscheidungsgremium des Landes, erklärte, das Ausland solle von Nordkorea keine Veränderung erwarten. Mit der Regierung des südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak werde Pjöngjang niemals in Beziehung treten. Damit erteilte Pjöngjang den Hoffnungen auf Veränderungen eine Absage.

Die Verkündung durch das Politbüro kam einen Tag nach Ende der offiziellen Trauerzeit für Kim Jong Il. Zum Abschluss der Staatstrauer hatte das Regime Kim Jong Un am Donnerstag bereits zum "obersten Führer" der Partei, des Militärs und des Volkes ausgerufen. Kim Jong Il selbst hatte den Oberbefehl über die Streitkräfte 1991 und damit drei Jahre vor dem Tod seines Vaters Kim Il Sung übernommen. Der 69-jährige Kim Jong Il war am 17. Dezember an einem Herzinfarkt gestorben. Er hat das verarmte und politisch isolierte Land 17 Jahre geführt.