Der französische Altpräsident Jacques Chirac ist im Prozess um Scheinarbeitsverhältnisse im Pariser Rathaus in den neunziger Jahren schuldig gesprochen worden. Der 79-Jährige veruntreute nach Ansicht des Gerichts öffentliche Gelder und missbrauchte Vertrauen. Richter Dominique Pauthe verurteilte Chirac zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.

Chirac war vorgeworfen worden, in seiner Zeit als Pariser Bürgermeister knapp dreißig Mitarbeiter aus der Stadtkasse bezahlt zu haben, obwohl sie gar nicht für die Stadtverwaltung arbeiteten. Einige sollen stattdessen schon für Chiracs späteren Präsidentschaftswahlkampf aktiv gewesen sein. Während seiner Amtszeit war er vor jeder Strafverfolgung geschützt. Die Anklage wurde erst nach seinem Ausscheiden aus dem Amt möglich.

Chiracs Anwalt Georges Kiejman sagte, er wolle mit seinem Mandanten zunächst die Begründung des Urteils studieren. Danach werde über die weiteren Schritte entschieden. "Wir werden heute Abend sehen, ob er das Urteil anerkennen wird", sagte er in einem Fernsehinterview. Der Anwalt der Nebenkläger, Jérôme Karsenti, sprach von einer "historischen Entscheidung der Justiz".

Der Altpräsident war zu dem dreiwöchigen Prozess nicht selbst erschienen. Das Gericht hatte auf eine Vernehmung verzichtet, da Chirac laut einem ärztlichen Gutachten unter Gedächtnisschwund leidet. In einer schriftlichen Erklärung zum Prozessende betonte Chirac Ende September noch einmal seine Unschuld. 

Mit dem Schuldspruch entschied der Richter entgegen dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Sie hatte Ende September einen Freispruch gefordert.