Russlands Regierungschef Wladimir Putin hat sich in einer Bürgerfragestunde im Fernsehen gegen den Vorwurf der Wahlfälschung verteidigt. Die Opposition werde immer behaupten, die Wahl sei nicht fair verlaufen: "Dies passiert überall, in allen Ländern." Das Ergebnis spiegele die politische Meinung im Land wider, sagte er während der live übertragenen Fragestunde, in der Bürger sich direkt an ihn wenden konnten. Er warf einem Teil der Opposition vor, Russland destabilisieren zu wollen: "Das ist falsch und inakzeptabel".

Putin äußerte sich abfällig über seine Kritiker, die in den vergangenen Tagen zu Zehntausenden über die Straßen zogen: Die weißen Bänder der Demonstranten habe er für "angesteckte Verhütungsmittel" gehalten, die als Zeichen einer Anti-Aids-Kampagne getragen würden. Ein Teil der Demonstranten habe einen intelligenten und erfrischenden Eindruck gemacht – "wenn dies das Ergebnis der Putinschen Regierung ist, so freut mich das".

Bis zu 100.000 Menschen hatten am Samstag bei den größten Straßenprotesten in Russland seit mehr als einem Jahrzehnt Neuwahlen gefordert. Die Demonstranten werfen der Regierung eklatante Fälschungen bei der Parlamentswahl vor. Trotz eisiger Witterung protestierten die Menschen bis zum Einbruch der Nacht friedlich auf dem Bolotnaja-Platz in der Moskauer Innenstadt. Die Polizei war mit über 50.000 Mann präsent.

Die Stimmenverluste seiner Regierungspartei Geeintes Russland seien das Resultat einer "schwierigen Periode" inmitten der Weltfinanzkrise, sagte Putin. Die absolute Mehrheit sei ein sehr gutes Ergebnis. Die Demonstrationen seien eine "ganz normale Sache", müssten aber im Rahmen des Gesetzes ablaufen. Putin warf der Opposition vor, jungen Leuten Geld für die Teilnahme an regierungskritischen Kundgebungen gezahlt zu haben.

Er warf den Regierungsgegnern auch vor, sie wollten die Autorität im Land in Misskredit bringen. Ziel der Opposition sei es, Zweifel an der Fairness der Parlamentswahlen und der Präsidentenwahl am 4. März 2012 zu wecken. Putin schlug vor, künftig Internetkameras in allen 90.000 Wahlbüros zu installieren.

Versuche von außerhalb, die politischen Prozesse zu beeinflussen, müssten strikt unterbunden werden. Putin behauptete, die "bunten Revolutionen" wie die Orangene Revolution 2004 in der Ukraine seien im Ausland ersonnen worden, um die früheren Sowjetrepubliken zu destabilisieren. "Einige unserer Oppositionspolitiker waren übrigens seinerzeit in der Ukraine, wo sie offiziell als Berater des damaligen Präsidenten Viktor Juschtschenko arbeiteten", sagte Putin.