Nach den Massenprotesten gegen den Wahlausgang in Russland sind in Moskau Spezialeinheiten des Innenministeriums aufmarschiert. Mit der Division "Felix Dscherschinski" – benannt nach dem Geheimdienstchef der Stalin-Zeit – soll "die Sicherheit der Bürger" gewährleistet werden, sagte ein Sprecher. Weitere Sicherheitskräfte gingen im Zentrum von Moskau gegen eine neue Demonstration vor, zu der sich mehrere hundert Oppositionelle auf dem Triumfalnaja-Platz versammelt hatten. Polizisten drängten Demonstranten ab, während regierungstreue Gegendemonstranten die Parolen der Oppositionellen mit Trommeln übertönten, wie Oleg Orlow, Direktor der Menschenrechtsorganisation Memorial, sagte. Bürger berichteten im Internet von Dutzenden gepanzerter Mannschaftswagen am Parlamentsgebäude und entlang der Ausfallstraßen der Hauptstadt.

Menschenrechtler und liberale Oppositionelle kritisierten den Aufmarsch. "Die Staatsmacht fürchtet den Zorn des Volkes nach dieser gefälschten Wahl", sagte Sergej Mitrochin von der Partei Jabloko. "Dieser Aufmarsch ist ein Zeichen der Schwäche." Die Bürgerrechtlerin Ljudmila Alexejewa sprach von einer Panikreaktion der Behörden.

Bei Protesten in Moskau und St. Petersburg haben Sicherheitskräfte mehr als 500 Menschen vorübergehend festgenommen. Allein in der russischen Hauptstadt führten Sicherheitskräfte 300 Regierungsgegner, aber auch Menschenrechtler und Journalisten ab, wie die Polizei nach Angaben der Agentur Interfax bestätigte. Die Kundgebungen waren nicht genehmigt gewesen. Nach Polizeiangaben warfen Oppositionelle auch mit Glasflaschen auf Demonstranten der Kremljugend. Unter den Festgenommenen waren der Regierungskritiker und frühere Vize-Regierungschef Boris Nemzow und der Autor Eduard Limonow. Der Oppositionspolitiker Ilja Jaschin wurde in einem Eilverfahren verurteilt.

Medwedjew verbittet sich Kritik aus dem Ausland

Auslöser für die Proteste war die Parlamentswahl am Wochenende, die die Partei Geeintes Russland von Regierungschef Wladimir Putin trotz deutlicher Verluste gewonnen hatte. Trotz des schlechten Abschneidens von Geeintes Russland wird der Regierung Wahlfälschung vorgeworfen.

Deswegen waren am Montag in Moskau bereits Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Etwa 300 Demonstranten wurden festgenommen. 250 von ihnen seien am heutigen Morgen noch in Polizeigewahrsam gewesen, sagte eine Sprecherin der Bewegung Solidarnost. Darunter war demnach auch der bekannte Blogger Alexej Nawalni. Sie wurden am Dienstag einem Richter vorgeführt, ohne vorher mit ihren Anwälten sprechen zu können. Ihnen drohen bis zu 15 Tage Haft, sagte die Sprecherin.

Kremlchef Medwedjew hat Kritik an der Wahl aus dem Ausland zurückgewiesen. Es sei Sache der russischen Regierung und nicht internationaler Beobachter, aus möglichen Mängeln bei der Abstimmung die richtigen Schlüsse zu ziehen, sagte Medwedew. Bundesaußenminister Guido Westerwelle und seine US-Amtskollegin Hillary Clinton hatten den Ablauf der russischen Parlamentswahl kritisiert. Die Abstimmung sei "weder frei noch gerecht" gewesen, sagte Clinton. Westerwelle hatte Russland aufgefordert, den Hinweisen auf massive Wahlfälschungen nachzugehen. Zuvor hatte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa die Abstimmung als unfair bezeichnet.