Der französische Präsident Nicolas Sarkozy spricht nach dem Nein der Briten zu einer EU-Vertragsänderung von einer Spaltung Europas in zwei Teile. "Es gibt jetzt ganz klar zwei Europas: das eine, das vor allem Solidarität unter seinen Mitgliedern und Regulierung will. Und das andere, das sich nur an die Logik des gemeinsamen Marktes klammert", sagte Sarkozy der Zeitung Le Monde. Er habe zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim EU-Gipfel vergangene Woche in Brüssel vergeblich versucht, die Briten mit ins Boot zu holen.

Einen Austritt Großbritanniens aus der EU lehnte Sarkozy aber ab. "Wir brauchen Großbritannien", sagte der Präsident und erinnerte an die französisch-britische Zusammenarbeit beim Militäreinsatz in Libyen. Der Präsident kündigte an, dass die rechtlichen Aspekte des neuen Vertrags über eine Fiskalunion zügig ausgearbeitet werden. Dies solle in den nächsten 15 Tagen geschehen.

Mit seiner deutlichen Distanzierung von Großbritannien stellt sich Sarkozy gegen den Kurs der Bundesregierung, die vor einer Isolation Großbritanniens warnt. So hatte Finanzminister Schäuble in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin die Hoffnung geäußert, dass sich Großbritannien doch noch an der engeren Zusammenarbeit beteiligen wird. "Die Tür für Großbritannien bleibt offen", sagte er. "Ich hoffe, dass die Briten die offene Tür durchschreiten werden."

Auch die Vize-Präsidentin der EU-Kommission, Viviane Reding, zeigte sich zuversichtlich, dass Großbritannien beim neuen EU-Vertrag doch noch einlenke. "Die Briten brauchen uns mehr, als wir die Briten brauchen." Britische Experten hielten dagegen sogar ein Ausscheiden aus der Union für möglich.

Cameron erklärt Position vor dem Parlament

Der britische Premierminister David Cameron hatte sich auf dem EU-Gipfel vergangene Woche in Brüssel gegen die von Deutschland und Frankreich vorangetriebene Vertragsänderung gewehrt, mit der mehr Haushaltsdisziplin in der EU festgeschrieben werden soll. Cameron wollte im Gegenzug besondere Schutzrechte für den Finanzplatz London durchzusetzen, was Sarkozy und Merkel ablehnten. Die 17 Euro-Länder einigten sich daraufhin auf einen Haushaltspakt nur auf zwischenstaatlicher Ebene. Bis auf Großbritannien erklärten aber alle Nicht-Euro-Länder, dass sie sich nach Absprache mit ihren nationalen Parlamenten an dem neuen Pakt beteiligen könnten.

Damit hat sich Cameron in der EU weitgehend isoliert, was ihm harsche Kritik der Opposition sowie seines Koalitionspartners, den Liberaldemokraten, eingebracht hat. Cameron will deshalb seine umstrittene Entscheidung am Montag vor dem Parlament begründen.

Vorab warnte der britische Premier davor, mit den geplanten Vertragsänderungen zur Bekämpfung der Schuldenkrise in Europa den gemeinsamen Markt der EU zu untergraben. Das Land werde sehr aufmerksam alle Versuche beobachten, die Institutionen der EU für einen Pakt zur Lösung der Schuldenkrise in der Euro-Zone zu nutzen. "Wir müssen eindeutig klar machen, dass nichts passieren wird, was irgendwie die Integrität des gemeinsamen Marktes unterminiert", ließ Cameron über seinen Sprecher erklären.