Eine von der EU vermittelte angebliche Einigung zwischen Albanern und Serben über die gemeinsame Kontrolle ihrer Grenzen hat Verwirrung ausgelöst. EU-Vermittler Robert Cooper ließ mitteilen, beide Seiten hätten sich nach dreitägigen Verhandlungen darauf verständigt, die Grenzübergänge zwischen dem Kosovo und Serbien in Zukunft gemeinsam zu verwalten. Beide Seiten wollen demnach "schrittweise gemeinsame Kontrollposten" einrichten. Das System soll den Angaben aus Brüssel zufolge von der EU-Polizei- und Justizmission überwacht werden. Die serbische Seite bestritt dagegen ein solches Abkommen.

"Trotz aller Anstrengungen ist keine Übereinkunft erzielt worden", sagte der serbische Unterhändler Borislav Stefanovic der serbischen Nachrichtenagentur Tanjug. Er sei allerdings bereit, am Samstag die Verhandlungen fortzusetzen. Demgegenüber bestätigte die albanische Verhandlungsführerin Edita Tahiri, man habe sich auf die gemeinsame Grenzverwaltung verständigt.

Der Norden des Kosovo an der Grenze zu Serbien ist seit Monaten Schauplatz von Feindseligkeiten zwischen Kosovo-Albanern und -Serben. Hintergrund der Vorfälle ist ein Handelsstreit zwischen Serbien und der einstigen südserbischen Provinz. Zuletzt protestierten Serben nahe der umstrittenen Grenzübergänge Jarinje und Brnjak mit Straßensperren gegen die Präsenz kosovo-albanischer Polizisten und Beamter. Erst am Montag hatten serbische Demonstranten Soldaten der Nato-geführten Kosovotruppe KFor mit Steinen, Flaschen und Sprengkörpern attackiert, als diese eine Straßensperre räumten. Dabei wurden rund 50 Soldaten verletzt, darunter zahlreiche Deutsche und Österreicher.

Die EU und Serbien hatten sich in den letzten Tagen fieberhaft bemüht, Fortschritte zu erzielen, um doch noch den EU-Kandidatenstatus für Belgrad zu ermöglichen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Freitag im Bundestag gesagt, dass Belgrad dafür nicht reif sei. Serbien müsse sich als Vorbedingung aus dem vor knapp vier Jahren abgefallenen Kosovo zurückziehen und gutnachbarschaftliche Beziehungen mit seiner früheren Provinz aufbauen.