Serben und Kosovo-Albaner haben sich nach dreitägigen Verhandlungen unter Vermittlung der EU auf die Kontrolle der gemeinsamen Grenzen geeinigt. Das teilten alle drei Seiten einstimmig mit. Der serbische Verhandlungsführer Borko Stefanovic sagte, sein Land habe dem von der EU ausgearbeiteten Lösungsvorschlag zugestimmt, nachdem "weitere Zugeständnisse" gemacht worden seien. "Es gibt eine Lösung, wir haben zugestimmt", sagte auch Serbiens Staatspräsident Boris Tadic am Rande einer internationalen SPD-Konferenz in Berlin. Dennoch lieferten Albaner und Serben aber gegensätzliche Darstellungen über die Inhalte des Abkommens.

Ungeachtet der unterschiedlichen Interpretationen der Einigung lobte EU-Vermittler Robert Cooper die großen Fortschritte durch die Kompromisslösung. Zunächst hatte Serbien bestritten, dass es überhaupt eine Vereinbarung gibt.

Die albanische Verhandlungsführerin Edita Tahiri sagte, alle Grenzübergänge zwischen den beiden Staaten würden in Zukunft von albanischen und serbischen Zöllnern und Polizisten gemeinsam verwaltet. Die Behörden beider Länder seien dabei gleichberechtigt. Der serbische Chefunterhändler Borislav Stefanovic dagegen sagte, nach der Vereinbarung hätten die Serben das Sagen, während die Albaner nur "Beobachter" seien.

Während serbische Zöllner und Polizisten nach dieser Vereinbarung wieder ins Kosovo zurückkehren würden, hätten deren albanische Kollegen keinerlei Befugnisse, sagte Stefanovic weiter. Auch dürfe die albanisch geführte Kosovo-Regierung an den Grenzen weder Nationalfahnen noch schriftliche Hinweise auf ihr Staatsgebiet anbringen.

Gegensätzliche Lesart des Abkommens

Die Interpretation der albanischen Seite liefe darauf hinaus, dass Serbien erstmals Kosovo in der Grenzverwaltung als gleichberechtigten staatlichen Partner anerkennen würde. Nach der serbischen Lesart hätte die albanische Seite einen Rückzieher gemacht, weil sie sich an den Grenzen den serbischen Behörden unterordnete.

Der gestrigen Mitteilung der EU zufolge sieht das Abkommen eine "gemeinsame Verwaltung der Grenzposten" vor. Beide Seiten wollen demnach schrittweise und "so schnell wie möglich" gemeinsame Kontrollposten an allen gemeinsamen Grenzübergängen einrichten. Die EU-Polizei- und Justizmission (EULEX) im Nordkosovo soll das beschlossene System überwachen.

Der Norden des Kosovo an der Grenze zu Serbien ist seit Monaten Schauplatz von Feindseligkeiten zwischen Kosovaren und Serben, die dort im Gegensatz zum übrigen Kosovo die Bevölkerungsmehrheit stellen. Mitte der Woche waren die Gespräche für eine Lösung des Konflikts in Brüssel wieder aufgenommen worden.

Serbien hofft, mit der Einigung doch noch den Weg für seinen EU-Beitrittskandidatenstatus freizumachen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am vergangenen Freitag im Bundestag klar gemacht, dass ein Weg Serbiens in die EU nur über eine Normalisierung der Beziehungen zum Kosovo führe. Im Zuge der Konflikte zwischen den Serben und der internationalen Schutztruppe Kfor im Norden Kosovos waren auch deutsche Soldaten angegriffen und verletzt worden.