Die bisher zerstrittene syrische Opposition hat sich auf gemeinsame Leitlinien für eine Zeit nach einem möglichen Sturz von Präsident Baschar al-Assad geeinigt. Vertreter der beiden führenden Gruppen, der syrische Nationalrat (SNC) und das Nationale Koordinationskomitee für Demokratischen Wandel (NCC), unterzeichneten in Kairo nach Angaben von Aktivisten ein Abkommen für die Übergangszeit. Demnach wurden unter anderem die Achtung der Bürgerrechte und die "Gründung eines bürgerlich-demokratischen Staates" vereinbart.

Die Übergangsphase werde "mit dem Sturz des Regimes und all seiner Symbole beginnen", hieß es in dem im Internet veröffentlichten Dokument. Es fordert unter anderem den Schutz der Zivilbevölkerung, lehnt dazu aber eine ausländische Militärintervention ab. Unterstützung äußert das Dokument für die aus Deserteuren gebildete sogenannte Freie Syrische Armee , die gegen Assads Truppen kämpft. Die Übereinkunft soll laut NCB nun als offizielles Dokument bei der Arabischen Liga hinterlegt werden.

Arabische Beobachter entdecken Heckenschützen

Notwendig für die syrische Opposition sei "eine gemeinsame politische Vision, um den vollständigen Wandel in Syrien abzusichern und die Ziele einer friedlichen Revolution zu erreichen", sagte NCB-Chef Hassan Abdel Asim. Die Vereinbarung unterstreiche aber auch, dass ein Zusammenschlusses der Opposition nötig sei, um die " Gefahr einer ausländischen Militärintervention zu bannen".

Der syrische Nationalrat hat 230 Mitglieder, darunter Vertreter der verbotenen Muslimbrüder und liberale Kräfte, die auf ein Ende der seit elf Jahren währenden autoritären Herrschaft Assads hinarbeiten. Allerdings leben nur 100 Mitglieder des Rats in Syrien . Das NCB bündelt die Oppositionsvertreter im Land, darunter arabische Nationalisten, Sozialisten, Marxisten, Unabhängige und auch Vertreter der kurdischen Minderheit. Der Verbund ist von jeher gegen eine ausländische Militärintervention.

Die von der Arabischen Liga entsandten Beobachter verlangten unterdessen einen sofortigen Abzug der Heckenschützen aus den Konfliktregionen. Aus dem Umfeld der Mission hieß es, dass Delegierte in der Protesthochburg Duma außerhalb der Hauptstadt Damaskus die auf Häuserdächern platzierten Schützen mit eigenen Augen gesehen hätten. Dort hatte es am Freitag Massenproteste gegeben. Zuvor hatte der Aktivist Omar Idlibi kritisiert, dass die Delegierten von der syrischen Führung massiv getäuscht würden . In der Provinz Idlib, nahe der türkischen Grenze, habe die Armee ihre Panzer versteckt , als die Beobachter kamen. Nach dem Besuch sei das Militär wieder aufgefahren.

Die Beobachter sind seit etwa einer Woche im Land. Sie sollen bis Ende Januar den Rückzug der syrischen Armee und die Freilassung politischer Gefangener überwachen. Ziel der Mission ist ein Ende des Blutvergießens. In dem seit März währenden blutigen Konflikt im Land wurden nach UN-Angaben bereits mehr als 5.000 Menschen getötet.