Kurz vor der Berufungsverhandlung der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julia Tomschenko ist es vor dem Gerichtsgebäude in Kiew zu Gewalt gekommen. Etwa 2.000 Demonstranten hätten vor dem Gebäude Timoschenkos sofortige Freilassung gefordert und eine Polizeisperre durchbrochen. Eine Sondereinheit habe die wütende Menge abgedrängt.

Im Gebäude scheiterten Timoschenkos Anwälte am ersten Verhandlungstag mit einem Befangenheitsantrag gegen Richterin Jelena Sitajlo. Timoschenko, die nach einem international umstrittenen Prozess eine siebenjährige Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs absitzt, nahm wegen ihres schlechten Gesundheitszustands nicht an der Verhandlung teil.

EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle hatte am Vortag Timoschenko in ihrer Zelle besucht. "Die Europäische Union wird den Prozess weiter aufmerksam beobachten", sagte der Tscheche. Füle traf in Kiew auch Präsident Viktor Janukowitsch, einen Gegner Timoschenkos. Bei den Gesprächen ging es um ein geplantes Assoziierungsabkommen zwischen der EU und der Ukraine.

Timoschenko war am 11. Oktober wegen eines 2009 mit Russland geschlossenen Gasliefervertrags verurteilt worden. Demnach soll sie der Ukraine schweren finanziellen Schaden zugefügt haben. Gegen die Anführerin der prowestlichen Orangenen Revolution von 2004 sind weitere Verfahren anhängig.