UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Weltgemeinschaft aufgefordert, das gewaltsame Vorgehen der syrischen Sicherheitskräfte gegen die Protestbewegung nicht länger tatenlos hinzunehmen. Bei seinem Rückblick auf das Jahr 2011 sagte Ban, im Namen der Menschlichkeit sei es Zeit, dass die internationale Gemeinschaft handle. "Mehr als 5.000 Menschen in Syrien sind tot, das kann nicht so weitergehen." Bisher hatten Staaten, darunter die gesamte EU, Sanktionen verhängt.

Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden seit Beginn der Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad Mitte März mehr als 5.000 Menschen getötet, unter ihnen mehr als 300 Kinder. Versuche im Sicherheitsrat, eine Resolution gegen die Regierung in Damaskus zu erwirken, sind bisher am Widerstand der Veto-Staaten China und Russland gescheitert.

Der Generalsekretär erinnerte bei seiner letzten Pressekonferenz des Jahres auch auf die Demokratiebewegung in vielen anderen Ländern: "Rund um den Globus ist der Ruf nach Demokratie, nach Respekt für die Menschenrechte sowie nach gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aufstiegschancen zu vernehmen."

Die Welt ist nach Meinung Bans an einem "historischen Wendepunkt". Alles verändere sich. "Die alten Regeln versagen", sagte Ban. "Wir wissen nicht, welche neue Ordnung kommen wird." Deshalb seien die UN heute wichtiger denn je. "Wir können darauf vertrauen: Die Vereinten Nationen werden immer an der Front sein."

Ban begrüßte auch das Vorgehen der Arabischen Liga. Diese hatte ebenfalls Ende November Sanktionen gegen Syrien verhängt – der Handel mit Syrien soll gestoppt, Konten der syrischen Führung eingefroren und Politiker mit Einreiseverboten belegt werden. Die Außenminister der Liga wollen sich am Samstag außerdem zu einer Dringlichkeitssitzung treffen, um über die Entsendung von Beobachtern nach Syrien zu beraten.

Der Konflikt in Syrien ist in einigen Provinzen inzwischen ein Bürgerkrieg. Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte starben am Mittwoch erneut mindestens 21 Zivilisten durch Schüsse von Regimeangehörigen. Die meisten Toten habe es in der Provinz Hama gegeben. Dort hatten Angehörige der Sicherheitskräfte fünf Menschen erschossen, die gemeinsam in einem Auto unterwegs waren. Anschließend hätten Deserteure als Reaktion darauf aus dem Hinterhalt vier Militärfahrzeuge attackiert und acht Soldaten erschossen. Außerdem seien im Süden des Landes mindestens 27 Soldaten getötet worden, teilte eine Aktivistengruppe mit Sitz in Großbritannien mit. Die Kämpfe seien in Daraa und an einem Kontrollposten vor der Stadt ausgebrochen.