In knapp drei Wochen, am 3. Januar, stimmen die Republikaner des Bundesstaates Iowa darüber ab, wen sie im nächsten Herbst gegen Präsident Barack Obama antreten lassen wollen. In Iowa, in diesem flachen Landstrich zwischen den Flüssen Missouri und Mississippi, findet seit 40 Jahren traditionsgemäß die erste Vorwahl statt.

Wie immer kurz vor dem ersten Test tingeln die Kandidaten von Ort zu Ort. Sie fahren vor Bauernhöfen vor und kehren in Frühstücksrestaurants ein. Sie schütteln Hände und küssen Babies. Sie halten Reden und veranstalten Diskussionsrunden.

In Iowa kommen sich alle vier Jahre Politiker und Bürger für einen kurzen Augenblick sehr nahe. Nur drei Millionen Menschen leben hier, nirgendwo sonst kann ein Bewerber für das Weiße Haus seine politische Botschaft so schnell, unkompliziert und billig an die Wähler bringen. Kampagnen sind andernorts ungleich aufwendiger und teurer. Iowa zum Beispiel macht es möglich, dass sich selbst ein so ziemlich unbekannter und mittelloser Kandidat wie Rick Santorum einen Wahlkampf leisten kann.

Anders als seine Konkurrenten fährt er nicht in einem Luxusbus mit großem Gefolge übers Land, sondern reist im eigenen Pkw und oft allein umher. Weit mehr als hundert Auftritte hat er schon hinter sich. Und manche sagen, dass dieser erzkonserative und strengreligiöse Mann, der in Wahlumfragen immer noch weit zurückliegt, auf den letzten Metern vielleicht noch für eine kleine Überraschung sorgen könnte. Denn unter Iowas Republikanern befinden sich viele Evangelikale.

Iowa lägt Schwachen offen

Die Besonderheiten Iowas sind auch für Journalisten ein Geschenk. Hier geht man mit den Kandidaten noch auf Tuchfühlung. Und wenn das Wetter vor Weihnachten mitspielt, kommt man schnell von einem zum anderen Ort. So steht man am Mittag an der Universität von Iowa City neben dem bedrängten Bewerber Newt Gingrich , als dieser inmitten von Studentenprotesten nach Fassung ringt. Am Abend lässt man sich fünf Stunden später und 500 Kilometer weiter in Sioux City vom Ehemann der Kandidatin Michele Bachmann von seiner Verwandtschaft in der Schweiz erzählen, von deutschen Austauschschülerinnen in seiner Familie und seinem Heißhunger auf deutsche Würstchen: "Kennen Sie zufällig ein deutsches Delikatessengeschäft in Washington?"

Die Möglichkeit eines Überraschungserfolgs in Iowa zeigt aber auch die Grenzen dieser ersten Vorwahl auf. Diesmal noch mehr als sonst. „Iowa könnte sich im Januar sehr verrückt entscheiden,“ sagt Dennis Goldford, Politikprofessor an der renommierten Drake University in Des Moines und einer der besten Kenner des amerikanischen Vorwahlsystems.

Bislang hieß es immer, Iowa sei ein politisches Stimmungsbarometer und ein wichtiger Seismograph. Vor vier Jahren siegte hier der bis dahin noch ziemlich unbekannte Demokrat Barack Obama und zeigte, dass ein Schwarzer im 21. Jahrhundert durchaus einen mehrheitlich weißen, protestantischen und bodenständigen Staat des Mittleren Westens gewinnen kann. Ohne Iowa wäre Obama wahrscheinlich nie Präsidentschaftskandidat und Präsident geworden. Iowa, sagt darum eine Weisheit, lege die Stärken und Schwächen der Parteien schonungslos offen.