Knapp neun Jahre nach Beginn des Irak-Kriegs haben die US-Kampftruppen das Land verlassen. Zum Abschluss des Abzugs überquerte am Sonntag ein letzter Konvoi die Grenze zum Nachbarland Kuwait. Der Einsatz sei damit nach insgesamt acht Jahren und rund neun Monaten abgeschlossen, erklärte ein US-Offizier.

Der letzte Konvoi der US-Armee verließ in der Nacht den Militärstützpunkt Imam Ali (Camp Adder) nahe Nassirija. Nach rund 350 Kilometern durch die Wüste passierte die Kolonne aus 110 Fahrzeugen mit rund 500 Soldaten die Grenze nach Kuwait.

Im März 2003 waren die US-Truppen in den Irak eingerückt, um den damaligen Machthaber Saddam Hussein zu stürzen. Nach Angaben der US-Regierung waren mehr als 1,5 Millionen US-Soldaten im Irak im Einsatz. Etwa 4.500 Soldaten kamen ums Leben, mehr als 30.000 weitere wurden verletzt. Die zivilen Opfer werden von der britischen Organisation IraqBodyCount.org auf bis zu 114.000 geschätzt.

In den vergangenen Monaten hatte die US-Armee bereits 505 Stützpunkte geräumt. Im Oktober hatte US-Präsident Barack Obama den Abzug so gut wie aller Truppen bis Jahresende angekündigt. Der Termin steht offiziell bereits seit 2008 fest. Lediglich 157 US-Soldaten verbleiben zu Ausbildungszwecken in dem Land, ein Kontingent der Marine-Infanterie soll zudem zum Schutz der Botschaft bleiben.

Die 900.000 Mitglieder der irakischen Armee sind ab sofort allein für die Sicherheit im Land zuständig. Sie stehen vor schweren Herausforderungen: Dazu zählen neben der anhaltenden Gefahr durch Aufständische das Wiedererstarken von Milizen sowie das Wiederaufflammen der Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten.

Obama hatte am vergangenen Mittwoch bereits einen symbolischen Schlussstrich unter den Irak-Krieg gezogen und den Truppen für ihren Einsatz gedankt. In seiner Rede vor Hunderten Soldaten auf dem Heeresstützpunkt Fort Bragg im Bundesstaat North Carolina bezeichnete er das Kriegsende als "historischen Augenblick für unser Land und unser Militär".

Zwei Tage zuvor hatte er mit dem irakischen Regierungschef Nouri al-Maliki in Washington über das neue Verhältnis beider Länder nach Ende des Militäreinsatzes gesprochen. Dabei hatten beide den Beginn einer neuen Ära der Partnerschaft und Zusammenarbeit beschworen.

Al-Maliki wertete den Abzug der US-Truppen als Zeichen des Erfolges - wenngleich das Land von einem echten Frieden noch weit entfernt ist. Die gesteckten Ziele seien erreicht, ein "demokratischer Prozess" etabliert worden.