Es sind nur noch gut vier Wochen bis zur ersten Vorwahl in Iowa. Doch Mitt Romney, bislang immer noch Favorit für die republikanische Präsidentschaftskandidatur, muss schon wieder um seinen Spitzenplatz fürchten. Jetzt will ihm Newt Gingrich den Rang ablaufen. Der ehemalige mächtige Sprecher des Repräsentantenhauses liegt plötzlich in fast allen Meinungsumfragen gleichauf oder sogar leicht vor Romney.

Bislang konnte der ehemalige Gouverneur von Massachusetts sämtliche Konkurrenten von rechts abschütteln. Ihr Stern sank, ohne dass Romney nachhelfen mussten. Sie stolperten am Ende alle über sich selber. Das letzte Beispiel: Der afroamerikanische Republikaner Herman Cain . Dem ehemaligen Pizzaketten-Unternehmer werden Mobbing- und Frauenaffären nachgesagt. Niemand weiß genau, was davon wahr ist. Doch eines steht fest: Zumindest zwei ehemalige Mitarbeiterinnen Cains wurden entschädigt.

Cain wollte sich erst überhaupt nicht daran erinnern und dann nur bruchstückhaft. Schließlich verstrickte er sich in immer größere Widersprüche. Das wurde ihm zum Verhängnis. An Lügen und verheimlichten Skandalen sind schon viele amerikanische Präsidentschaftskandidaturen zerschellt.

Und nun steigt Gingrich in der republikanischen Beliebtheitsskala auf. Ausgerechnet der zwielichtige Newt Gingrich, der sein politisches Hemd öfter gewechselt hat als Romney. Der in blindem Eifer den demokratischen Präsidenten Bill Clinton wegen einer Falschaussage in der Sex-Affäre um Monica Lewinsky stürzen wollte, aber heimlich selber Ehebruch beging. Wie kaum ein Zweiter ist Gingrich der Inbegriff politischer Doppelzüngigkeit und Doppelmoral.

Romney ebnet Konkurrenten den Weg

Und doch gibt es eine Erklärung für den plötzlichen Aufstieg dieses verschlagenen Machtmenschen. Der Grund ist Mitt Romney. Er ist ein ungeliebter Favorit, er ist den meisten Republikanern zu glatt, zu biegsam und politische zu wenig rechts.

Seit er Präsident werden will, kleidet sich Romney in konservative Gewänder. Doch er kann seine Vergangenheit nicht abstreifen. Romney regierte als republikanischer Gouverneur vier Jahre lang den liberalen und tendeziell demokratisch geprägten Bundesstaat Massachusetts. Allein das macht Romney in den Augen vieler Republikaner suspekt. Man nimmt ihm die Behauptung nicht ab, dass sein politisches Herz rechts schlägt. Er hat dafür noch keinen konkreten Beweis geliefert.