Birmas Regierung hat mit der wichtigsten Rebellengruppe der ethnischen Minderheit der Karen einen Waffenstillstand unterzeichnet. Eine Delegation der Regierung und Vertreter der Karen National Union (KNU) unterzeichneten nach mehrstündigen Verhandlungen ein entsprechendes Dokument in Hpa-An, der Hauptstadt des östlichen Bundesstaates Karen. "Das Abkommen gilt ab sofort", sagte Eisenbahnminister Aung Min, der die Verhandlungen von Regierungsseite leitete. Der Konflikt zwischen den Karen und Birmas Zentralregierung ist einer der ältesten Bürgerkriege der Welt.

Die Karen sind die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe im Vielvölkerstaat Birma. Sie machen offiziell gut 3,8 der knapp 60 Millionen Einwohner aus; laut KNU gibt es sieben Millionen Karen. Sie leben überwiegend im "Karenstaat" an der Grenze zu Thailand . Die KNU schätzt, dass rund 40 Prozent der Karen Christen sind, die meisten anderen Buddhisten.

Es ist das erste Mal seit Beginn ihres Kampfes für Unabhängigkeit oder mehr Autonomie 1949, dass sich Vertreter der Karen auf eine Vereinbarung mit der Zentralregierung eingelassen haben. Die KNU sprach von einem positiven ersten Schritt. "Wir wollen, dass der Friedensprozess weitergeht", sagte KNU-Vertreter David Taw.

Die Beziehungen zwischen ethnischen Minderheiten und der Zentralregierung sind seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1948 von Konflikten geprägt . Mehrere bewaffnete Gruppen kämpfen seit Jahrzehnten für mehr Rechte. Rund ein Drittel der 50 Millionen Einwohner Birmas (offiziell: Myanmar ) gehört ethnischen Minderheiten an. Die Friedensgespräche mit der KNU kamen unter Vermittlung von Hla Maung Shwe zustande, dem Gründer der Nicht-Regierungsorganisation Myanmar Egress.

Überraschende Reformen unter Präsident Thein Sein

Im November 2010 hielt die Militärregierung erstmals seit zwei Jahrzehnten wieder Parlamentswahlen in dem international isolierten Land ab . Zwar wurden die Wahlen von der Opposition boykottiert und weithin als unfrei kritisiert, doch die neue zivile Regierung unter Präsident Thein Sein, einem ehemaligen General, überraschte Beobachter seither mit einer Reihe von Reformen. Teil der Reformbemühungen ist die Aufnahme von Friedensgesprächen mit den diversen ethnischen Rebellengruppen , die nun bereits zu ersten Erfolgen führten.

Auch die Kritik der USA  und der Europäischen Union scheinen auf die neue Regierung zu wirken. So hat ein Regierungsvertreter angekündigt, 651 landesweit einsitzende Häftlinge zu begnadigen. Am Freitag soll die Amnestie in Kraft treten. Ob auch politische Gefangene von dem Straferlass profitieren, war zunächst unklar. Die USA und die Europäische Union haben die Freilassung politischer Häftlinge zur Bedingung für die Aufhebung ihrer Sanktionen gegen das südostasiatische Land gemacht.

Vergangene Woche hatte die birmanische Führung bereits angekündigt, die Haftzeiten von Gefangenen zu verkürzen. Die Ankündigung löste jedoch Enttäuschung im Westen aus, weil in dem Zusammenhang keine Namen von bekannten Dissidenten genannt wurden. Im Oktober waren in Birma 200 politische Gefangene freigelassen worden. Schätzungen zufolge sitzen jedoch noch immer zwischen 500 und 1.500 Dissidenten in den heruntergekommenen Gefängnissen des Landes.