Die Unterstützung der Monti Regierung hilft allerdings wenig, mehr Popularität zu gewinnen. "Berlusconi zögert zurzeit zwischen einer widerwilligen Regierungstreue und der Versuchung, den populistischen Instinkten seiner Partei zu folgen", sagt der Chefredakteur von La Repubblica Ezio Mauro.

Die Lösung ist einfach: Während der Chef den treuen Europäer mimt, schüren seine Presseorgane anti-europäische Ressentiments. Als zum Beispiel vor einem Monat bekannt wurde, dass Angela Merkel Berlusconis Rücktritt befürwortet hatte, machte Il Giornale mit dem Titel "Es war die Fettärschige!" auf. Die PDL-affine Tageszeitung Libero veröffentlichte außerdem vor wenigen Tagen eine Karikatur, in der die Bundeskanzlerin wie Schettino ein versinkendes Europa mit einem Ruderboot verlässt.

Schaut man also genauer hin, sieht man, dass Fleischhauer und Sallusti im selben Team spielen. Die EU als Kulturen- und Interessengemeinschaft, sagen sie, sei gescheitert. Doch ausgerechnet in derselben Woche, in der die beiden ihre Provokation lancierten, erschien in sechs europäischen Tageszeitungen unter dem Titel "Nur die Kultur verbindet uns" ein Interview mit dem italienischen Schriftsteller Umberto Eco . "Wir dürfen angesichts der Schuldenkrise nicht vergessen, dass uns außer den Kriegen nur die Kultur verbindet", sagt Eco darin. Es habe absolute Priorität – erklärt weiter der Professor aus Alessandria – in diesem Moment die europäische Identität zu stärken. Dafür könnte man zum Beispiel wichtige Figuren der gemeinsamen Kulturgeschichte auf die Euro-Scheine drucken: Thomas Mann , Roberto Rossellini , Claude Chabrol . Sicher nicht Adolf Hitler. Oder Francesco Schettino.