Die Arabische Liga will vorerst keine weiteren Beobachter nach Syrien entsenden. Es solle abgewartet werden, bis sich die Lage beruhige, sagte ein Vertreter der Organisation. Hintergrund ist die anhaltende Gewalt in Syrien, bei einem Angriff auf ein Team der Beobachter waren am Montag in der Region von Lattakia drei Mitglieder verletzt worden. Eigentlich hätte Ende der Woche ein neues Team in das Land reisen sollen. Nun sollen zunächst die Hintergründe der jüngsten Übergriffe auf die Beobachter geklärt werden, hieß es.

Am Mittwoch hatte sich das algerische Missionsmitglied Anwar Malik unter Protest aus dem Einsatz zurückgezogen. Er sagte dem arabischen Nachrichtensender Al Jazeera , die Beobachter gäben Assad die Gelegenheit, noch mehr Menschen zu töten. Das Regime in Damaskus unterstütze die Beobachtermission nicht. Es versuche, die Delegierten zu täuschen.

Inzwischen hat nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters ein weiterer Beobachter erklärt, dass er aus Frustration über den Verlauf des Einsatzes Syrien verlassen wolle. "Die Mission ist unklar, sie dient nicht der Bevölkerung, sie nützt überhaupt nichts", sagte der Beobachter, der namentlich nicht genannt werden wollte. Er wolle am Freitag versuchen, das Land zu verlassen.

Opposition kritisiert Beobachtermission

In Syrien sind derzeit 165 Vertreter der Arabischen Liga unterwegs, um die Umsetzung eines von der Organisation vermittelten Friedensplans zu überwachen. Ihr Ziel ist es, die Gewalt zu beenden sowie den Abzug der Truppen aus den Städten und die Freilassung politischer Gefangener zu überwachen. Da das Töten in Syrien aber unvermindert weiterging, wird der Einsatz von der Opposition kritisiert: Die arabischen Beobachter seien machtlos und dienten Präsident Baschar al-Assad nur dazu, Zeit zu gewinnen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen ( UN ) ging Syrien nach dem Eintreffen der Beobachter der Arabischen Liga noch härter gegen Demonstranten vor . Seit Beginn der regierungsfeindlichen Proteste vor zehn Monaten sind nach UN-Schätzungen mehr als 5.000 Menschen getötet worden. Syrische Menschenrechtsaktivisten gehen sogar von mehr als 6.000 Toten aus. Die Regierung spricht dagegen von Terroristen und bewaffneten Banden, die 2.000 Angehörige der Sicherheitskräfte getötet haben sollen.

US-Außenministerin Hillary Clinton deutete an, dass der Beobachtereinsatz in Syrien nicht unbegrenzt fortgesetzt werden könne. "Wir können Assad und seinem Regime keine Straffreiheit zugestehen", sagte sie. Die USA wollten nun den Schlussbericht der Delegation abwarten, wenn deren Mandat am 19. Januar ausläuft. Die USA ziehen bereits immer mehr Botschaftspersonal aus Syriens Hauptstadt Damaskus ab. Mehrere Angestellte seien aus Sicherheitsgründen zum Verlassen des Landes aufgefordert worden, teilte das Außenministerium mit. In Syrien lebende Amerikaner sollten das Land umgehend verlassen.

Französischer Journalist getötet

Erstmals wurde am Mittwoch ein westlicher Journalist in Syrien getötet . Der Franzose Gilles Jacquier, langjähriger Kriegsberichterstatter des Fernsehsenders France 2, starb nach syrischen Regierungsangaben durch Granatsplitter. Er gehörte zu einer Gruppe von ausländischen Reportern, die auf Einladung der Regierung an einer Demonstration von Regimeanhängern in Homs teilgenommen hatte. Bei dem Granatbeschuss seien auch acht Syrer getötet worden.

Präsident Assad war am Mittwoch überraschend auf einer Kundgebung von Anhängern in Damaskus aufgetaucht. Den Tausenden von Demonstranten rief er auf dem Ummayaden-Platz in Damaskus zu, der Sieg der Syrer über die ausländischen "Verschwörer" stehe bald bevor. "Ich will mit euch sein, denn ich bin ein Sohn dieser Straße, und wer zu den Menschen auf der Straße sprechen will, der muss bei ihnen sein", sagte er nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana.

Die Bundesregierung forderte unterdessen erneut, dass der UN-Sicherheitsrat eine Resolution zu Syrien verabschiedet. Bedauerlicherweise habe Assad kein Einlenken erkennen lassen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Es braucht jetzt vor allem ein klares und sehr einiges Vorgehen im UN-Sicherheitsrat."