Einen Tag nach dem Abbruch der arabischen Beobachtermission hat Präsident Baschar al-Assad Hunderte Soldaten in die von Rebellen kontrollierten Außenbezirke der Hauptstadt Damaskus geschickt. Bei dem Einmarsch mit Dutzenden Panzern seien mindestens fünf Zivilisten getötet worden, sagten Regierungsgegner. Die Arabische Liga soll am kommenden Sonntag über ihr weiteres Vorgehen in dem seit Monaten von Gewalt erschütterten Land im Zentrum des Nahen Ostens beraten.

Bereits gestern seien bei Assads Offensive in den Vororten zwölf Menschen getötet worden, sagten Oppositionelle. Die Armee versuche, die von Rebellen gehaltenen Viertel zurückzuerobern. Die rund 2.000 Soldaten, die bei Tagesanbruch in einen weiteren Vorort eingerückten, seien Verstärkung für die Truppen, die bereits andere Außenbezirke belagern. Dort verschlechterte sich die Lage den Regierungsgegnern zufolge dramatisch.

"In Feldlazarette umgewandelte Moscheen fordern Blutkonserven an", berichtete ein Assad-Kritiker per Satelliten-Telefon aus einem der Vororte. Die Strom- und Benzinversorgung sei unterbrochen. Die Armee hindere die Menschen daran, anderswo Treibstoff zu besorgen.

Kämpfe auch in Rankus und Homs

Weitere Todesopfer wurden aus dem von Rebellen gehaltenen Ort Rankus rund 30 Kilometer nördlich von Damaskus gemeldet. Von Mittwoch bis Samstag starben Oppositionellen zufolge dort mindestens 33 Menschen. Durch den Panzerbeschuss der Regierungstruppen seien mindestens zehn Gebäude eingestürzt. Auch in einigen Gebieten der Provinz Homs haben Deserteure der syrischen Armee nach Angaben von Oppositionellen die Kontrolle übernommen.

Als Reaktion auf die unaufhörliche Gewalt hatte die Arabische Liga den Einsatz ihrer Beobachter gestern unterbrochen. Die Lage in dem Land habe sich dramatisch verschlechtert, begründete der Staatenbund die Entscheidung. Die Außenminister der Liga verabredeten sich für den 5. Februar zu einer Syrien-Debatte.