Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner konzentriert sich auf zwei Bewerber – und ist doch so unberechenbar wie selten zuvor. In der Partei treibt es inzwischen manchem die Sorgenfalten auf die Stirn, dass eine schnelle Entscheidung über den Herausforderer für Barack Obama nicht in Aussicht steht. Zumal für keinen der beiden derzeit führenden Aspiranten rechte Begeisterung aufkommen mag. Ob nun der eher moderate Mitt Romney oder der erzkonservative Rick Santorum : Jeder auf seine Art würde es am Ende schwer haben, die Partei geschlossen hinter sich zu bringen.

Das zeugt zwar auch von einer Spaltung der Republikaner, die es nicht erst seit der Tea-Party-Bewegung gibt. Es ist aber mehr noch Ausdruck einer schleichenden Resignation, die sich langsam Bahn bricht und offenbar in dem Gefühl gipfelt: Wenn wir diese Wahl gewinnen wollen, müssen wir einen anderen Kandidaten haben. Plan B gewissermaßen.

Vermehrte Anzeichen für eine Erholung der Wirtschaft befeuern die schwelende Angst vor dem Scheitern zusätzlich. Seit Monaten sinkt die Arbeitslosigkeit wieder und erreicht Werte wie zuletzt zu Beginn von Obamas Amtszeit. Während dadurch die Umfragewerte für den Präsidenten besser werden, zerfleischen sich die republikanischen Anwärter gegenseitig. Es ist vor diesem Hintergrund kein Wunder, dass sich ihre Debatten häufiger um Positionen zu Abtreibung und Homo-Ehe als um Jobs und Wachstum drehen.

Längst denken die ersten republikanischen Spitzenpolitiker offen darüber nach, was wäre, wenn sich kein Bewerber direkt durchsetzte. In der Regel steht der Kandidat weit vor dem Nominierungsparteitag fest; der ist für August angesetzt. Für wen die Delegierten dort abstimmen, entscheiden in den allermeisten Bundesstaaten die Vorwahlen: Die Stimmen verteilen sich entweder proportional nach dem Abschneiden, oder aber der Gewinner erhält alle Stimmen. In einigen Staaten entscheidet ein Parteitag nach den Vorwahlen. Zumindest im ersten Wahlgang sind die Delegierten im August an diese Entscheidungen gebunden. Hat dabei kein Kandidat eine ausreichende Mehrheit, beginnt hinter den Kulissen das Geschacher – möglich wäre dann auch, einen völlig neuen Namen ins Rennen zu schicken.

Der moderate Mainstream kann mit Santorum wenig anfangen

Spätestens seit seinem Sieg bei den Vorwahlen im bevölkerungsreichen Florida galt Romneys Nominierung, trotz aller Vorbehalte gegen ihn in der konservativen Parteibasis, als nahezu alternativlos. Als er dann überraschend gleich drei Entscheidungen in den US-Bundesstaaten Missouri , Minnesota und Colorado an seinen Widersacher Santorum verlor, war das Rennen plötzlich wieder offen.

Der moderate Mainstream der Republikaner kann mit dem als absoluter Außenseiter gestarteten Santorum wenig anfangen, zumal seine zum Teil radikalen Positionen aus Sicht des Parteiestablishments die Chancen gegen Obama in Grenzen halten. Doch weniger Staat, weniger Steuern, die Ablehnung von Abtreibung und Homo-Ehe – dieses Programm fällt in der Tea-Party-Bewegung auf fruchtbaren Boden. Und aktuelle Umfragen zeigen zudem: Zwar würden beide Bewerber derzeit gegen Obama verlieren, und Romney hätte die besseren Aussichten auf Erfolg – aber eben nicht so viel besser als Santorum . Das ist insofern verwunderlich, als dass Romney immer größere Chancen eingeräumt wurden, die wichtigen Wechselwähler in der Mitte des politischen Spektrums für sich einnehmen zu können.