Mindestens zwei große Sprengsätze sind in der syrischen Stadt Aleppo vor öffentlichen Einrichtungen detoniert. Dabei wurden mindestens 25 Menschen getötet, berichtete das staatliche syrische Fernsehen. Zudem habe es 175 Verletzte gegeben, darunter Zivilpersonen und Militärangehörige.

Die Anschläge hätten einem Gebäude des Militärgeheimdienstes und dem Sitz der Ordnungspolizei gegolten, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Menschenrechtsaktivisten berichteten von insgesamt drei Explosionen, von denen sich nur eine in der Nähe eines Gebäudes der Einsatzkräfte ereignet habe.

Die Staatsführung sprach von "terroristischen" Angriffen. Gegner von Präsident Baschar al-Assad machten dagegen sein Regime für die Anschläge verantwortlich. Sie berichteten von Anwohnern, die vor den Detonationen verdächtiges Verhalten der Sicherheitskräfte beobachtet hätten. "Dies ist ein weiteres schwarzes Theaterstück des Regimes."

Die Regierungstruppen hätten nach den Detonationen jeweils mehrere Schüsse abgegeben. Damit wollten sie den Eindruck erwecken, es habe ein Gefecht zwischen ihnen und den Terroristen stattgefunden, hieß es von Regimegegnern.

Aleppo liegt im Norden Syriens und ist ein wichtiges Wirtschaftszentrum. Bislang war die Stadt weitgehend vom Umbruch ausgenommen. Erst in jüngster Zeit mehrten sich auch hier Proteste und Gewalt.

Panzer besetzen Wohnviertel in Homs

In dem Protestzentrum Homs besetzte die Armee in der Nacht nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten ein Wohnviertel mit Panzern. Zudem durchsuche sie zahlreiche Wohnhäuser, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London mit. Homs wird bereits seit etwa einer Woche von der syrischen Armee attackiert.

Laut Nachrichtenagentur AFP kamen allein am Donnerstag mindestens 80 Menschen ums Leben, davon 50 in Homs. Der Nachrichtensender Al-Arabija berichtete unter Berufung auf Regimegegner von noch höheren Opferzahlen: Landesweit seien mindestens 126 Menschen von den Regierungstruppen getötet worden, davon 107 in Homs. Da ausländische Journalisten nicht ins Land dürfen, gibt es kaum unabhängige Nachrichten aus Syrien.

Die syrische Opposition forderte von der internationalen Gemeinschaft mehr Hilfe. Deutschland etwa könne verletzte Regime-Gegner, die sich in die Türkei oder den Libanon geflüchtet hätten, ausfliegen und in deutschen Krankenhäusern behandeln, regte Elias Perabo, Initiator des Projekts Adopt a Revolution an. Außerdem könne die Bundesregierung es Regimegegnern erleichtern, in Deutschland Asyl zu beantragen.

Deutschland hatte zuletzt den diplomatischen Druck auf die Regierung in Damaskus verstärkt und vier Mitarbeiter der syrischen Botschaft ausgewiesen. Die EU bemüht sich unterdessen weiter, Russland doch noch umzustimmen, eine UN-Resolution gegen Syrien passieren zu lassen.

Seit Beginn der Niederschlagung der Proteste Mitte März wurden in Syrien Menschenrechtsgruppen zufolge mehr als 6.000 Menschen getötet.