Die Schuldigen waren schnell ausgemacht: "Der versuchte Anschlag in Thailand beweist einmal mehr, dass der Iran und seine Verbündeten sich weiter des Terrors bedienen", sagte Israels Verteidigungsminister Ehud Barak nach jüngsten Angriffen auf Diplomaten seines Landes in Thailand, Indien und Georgien . In der Tat gibt es einige Hinweise, dass der Iran oder die von ihm unterstützte Hisbollah für die Attentate verantwortlich ist – wenngleich deren eher stümperhafte Ausführung mehr an radikalisierte Amateure denn an gut organisierte Terrorkommandos denken lässt.

Die scharfe Rhetorik aus Israel, an der sich am Vortag auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Außenminister Avigdor Lieberman beteiligten , ist in erster Linie ein Warnsignal. Sie nährt die Befürchtungen,  Israel könne den Iran schon bald angreifen , um die tatsächlichen oder vermeintlichen Bemühungen um Atomwaffen zunichte zu machen. Stünde die Teheraner Führung aber wirklich hinter den jüngsten Attacken, wäre dies nur ein weiterer Beleg dafür, dass beide Länder, Israel und Iran, bereit sind, ihren Konflikt mit gewalttätigen Mitteln auszutragen.

Die gegenseitigen Drohungen jedenfalls werden schärfer und finden auf einer Ebene statt, die sich zunehmend dem Einfluss von außen entzieht. Das Regime in Teheran hört ohnehin nicht auf die internationale Gemeinschaft; die Regierung in Jerusalem macht immer deutlicher, dass sie sich nicht hineinreden lässt – trotz aller Warnungen vor einem einseitigen und solitären Angriff, insbesondere aus Washington . Eine iranische Atombombe wäre keine Bedrohung, die Israel allein beträfe. Dennoch scheint Israel mehr denn je gewillt, seine Interessen ohne Abstimmung mit anderen und auch ohne Unterstützung Verbündeter zu verteidigen.

Natürlich ist das Teil eines psychologischen Kriegs, der schon vor langer Zeit begonnen hat. Dazu gehören regelmäßige Langstreckenübungen der israelischen Luftwaffe, die zeigen sollen: Wir können und wir werden angreifen, wenn wir dazu gezwungen sind. Dazu gehört auch die Serie von Anschlägen auf iranische Atomwissenschaftler , hinter denen der israelische Geheimdienst Mossad vermutet wird. Ebenso die Sabotage des iranischen Atomprogramms durch den Computervirus Stuxnet und die ungeklärten Explosionen in iranischen Raketenlagern.

Dahinter steht aus israelischer Sicht die nachvollziehbare, wenn auch falsche Erkenntnis, alle übrigen Optionen, den Iran von der Bombe abzubringen, seien bereits ausgeschöpft und die Zeit laufe davon: Sanktionen hätten den Iran nicht in die Knie gezwungen, Verhandlungen seien aussichtslos.

Gefährlich an der derzeitigen Situation ist vor allem, dass Israel einen Krieg gegen den Iran aus militärischer Sicht nicht allein führen könnte , aber dennoch mit seinem Ausbruch kalkuliert. Das bringt zum einen die USA in Bedrängnis, die ihn – derzeit – nicht führen wollen, aber im Zweifel wohl genötigt wären, Israel beizustehen. Dies wiederum spielt der iranischen Führung in die Hände: Sie sieht sich durch die Drohungen Israels nur noch mehr in ihrem Streben nach einer Atomwaffe bestätigt. Das Feindbild Israel taugt für sie zudem weiterhin dazu, nach innen Stärke zu suggerieren – zur Not bis hin zur Konsequenz, einen Militärschlag auszulösen.