"Wir wollen den Kopf des Militärrats sehen", brüllt Ahmed in die Menge. Ahmed gehört zu den Ultras, dem Herzstück der Fangemeinde des Fußballclubs Al-Ahli in Kairo . Er ist mit anderen Ultras und Menschen, die Solidarität zeigen wollen, auf dem Tahrir-Platz zusammengekommen . Tausende marschieren zum Parlament, um dort zu demonstrieren. Sie schwenken rot-weiße Fahnen, die Farben von Ahli. Viele von ihnen trauern um ihre Freunde und sind wütend. Kairo versinkt an diesem Tag in Emotionen.

Die Wut richtet sich hauptsächlich gegen die Polizei und den Militärrat. Die Ahli-Ultras und viele Revolutionäre machen den Militärrat für die Ausschreitungen am Mittwochabend verantwortlich. Er habe es versäumt, so der Vorwurf, ausreichend viele Polizisten im Stadion zur Verfügung zu stellen. Zudem hätten die wenigen Polizisten, die beim Abpfiff des Spieles noch anwesend gewesen seien, den Gewalttaten tatenlos zugesehen, und seien nicht eingeschritten.

Die Al-Ahli Fans sind das schlagende Rückrat der Revolution. Bereits bei Beginn der Revolte vor einem Jahr kämpften sie stets an vorderster Front. Auf der Seite der Aktivisten – ihr größter Feind war die Polizei. "Das ist die Retourkutsche, die wir jetzt bekommen", sagt Ahmed. "Doch das werden wir nicht auf uns sitzen lassen."

Feldmarschall Tantawi, der Vorsitzende des Militärrats, hat diese Vorwürfe bereits am Mittwochabend dementiert. Stattdessen lastete er die Gräueltaten den Aktivisten an und rief das Volk auf, diese zu bekämpfen. "Gewöhnliche Bürger haben das getan, also müssen gewöhnliche Bürger die anderen auch davon abhalten", so Tantawi. "Das ist ein offener Mordaufruf an uns", sagt die Aktivistin Nur.

Angespannte Lage durch wirtschaftliche Probleme

Ägypten ist aufgewühlt. Die Menschen wollen Vergeltung für die Opfer seit dem Beginn der Revolution. Kein einziger Polizist, der beim Aufstand vor einem Jahr getötet hat, ist bisher zur Verantwortung gezogen worden. Einige der Schläger von gestern wurden heute in Port Said verhört. Doch auch hier gibt es Zweifel, ob es die richtigen sind, die vor Gericht gestellt werden.

Zu der angespannten Stimmung tragen auch die wirtschaftlichen Probleme und die soziale Ungleichheit bei, die Mitauslöser der Revolution waren. Dem Land geht es heute wirtschaftlich schlechter als vor einem Jahr. Vor allem durch die Tourismusflaute haben Hunderttausende Menschen ihre Arbeit verloren, haben kaum Geld für Brot, kaum Hoffnung auf ein besseres Leben. Sie sind frustriert. Frustration gepaart mit Wut kann schnell zu Krawallen führen.