Mehr als 126.000 Menschen sind in Mali wegen eines Bürgerkriegs auf der Flucht. Sie versuchen, den seit Januar andauernden Kämpfen zwischen Tuareg-Rebellen und Regierungstruppen zu entkommen. Innerhalb Malis seien 61.400 Menschen geflüchtet, teilte das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe mit. 65.000 weitere hätten sich in den Nachbarländern Mauretanien , Burkina Faso , Niger und Algerien in Sicherheit gebracht.

Zudem seien 7.563 Menschen aus dem Niger, die bisher in Mali lebten, in ihre Heimat zurückgekehrt. Die Nachbarländer und Hilfsorganisationen hätten begonnen, die Flüchtlinge mit Unterkünften, Wasser, Nahrung und Hygieneartikeln zu versorgen, teilte die UN-Organisation mit. "Dennoch reicht das bei Weitem nicht aus." Viele Flüchtlinge müssten ausgerechnet in solchen Regionen versorgt werden, die ohnehin schon unter der Nahrungsmittelkrise in der Sahelzone litten.

Ein Grund für die Eskalation des Konflikts ist der Sturz von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi : Er gab sich lange Zeit als Mediator im Konflikt zwischen den Tuareg und den Regierungen der Sahel-Staaten. So handelte er etwa 2009 einen Waffenstillstand zwischen Mali und den Rebellen aus und stellte Tausende Tuareg-Kämpfer ein. Diese kehrten nach dem Bürgerkrieg in Libyen nach Mali zurück, viele kämpfen nun gegen die malische Armee.

Das UN-Flüchtlingskommissariat richtete einen Hilfsappell an die Internationale Gemeinschaft. Umgerechnet rund 27 Millionen Euro seien nötig, um den Flüchtlingen zu helfen. Gebraucht würden Notunterkünfte, Lebensmittel, Wasser, Medikamente und Sanitäranlagen.

Mehrere Verletzte bei Luftangriff

Allein am Mittwoch waren bei einem Luftangriff der Armee auf ein Lager der Tuareg im Norden des Landes fast ein Dutzend Menschen verletzt worden. Ein junges Mädchen starb an ihren Verletzungen. Bei den Verwundeten handele es sich fast ausschließlich um Frauen und Kinder, teilte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen mit .

Seit dem Beginn des Konflikts zwischen den Rebellen und Regierungstruppen, der vor rund einem Monat neu aufgeflammt war, waren etwa 20 Familien aus der Stadt Kidal im Norden des westafrikanischen Landes in das Camp geflohen. Den Angaben zufolge wurde das Lager von Schüssen aus einem Helikopter getroffen. Teams von Ärzte ohne Grenzen und das malische Gesundheitsministerium stellten eine Notfallversorgung zur Verfügung und überwiesen zwei der Verletzten in das Krankenhaus in Kidal.

Die für Autonomie kämpfenden Tuareg hatten Mitte Januar im Norden Malis ihre größte Offensive seit 2009 gestartet. Seither kamen bei Angriffen auf mehrere Städte zahlreiche Menschen ums Leben. Das Nomadenvolk der Tuareg zählt rund 1,5 Millionen Menschen, die in Algerien, Burkina Faso, Libyen, Mali und im Niger leben.