Die westliche Militärallianz Nato hat angekündigt, sämtliche Mitarbeiter aus afghanischen Ministerien abzuziehen. Isaf-Kommandeur John Allen sagte, er habe alle Mitarbeiter der Afghanistan-Truppe aus den Ministerien "in und rund um Kabul " zurückgerufen. Zuvor hatte ein Angreifer im Kabuler Innenministerium zwei Isaf-Angehörige erschossen .

Zu der Tat bekannten sich die radikalislamischen Taliban . Es handele sich um eine Reaktion auf die Verbrennung von Koran-Exemplaren durch US-Soldaten in Afghanistan , hieß es auf einer Taliban-Website. Ein Nato-Sprecher sagte: "Anfängliche Berichte deuten darauf hin, dass eine Person seine Waffe auf Mitglieder der Internationalen Schutztruppe Isaf in der Stadt Kabul gerichtet und zwei von ihnen getötet hat."

Das afghanische Innenministerium bestätigte, "zwei internationale Kollegen" seien im Gebäude getötet worden. Ermittlungen seien bereits im Gange. Afghanische Medien hatten gemeldet, dass die beiden Getöteten Amerikaner seien.

In Afghanistan kommt es seit Dienstag täglich zu gewaltsamen Protestdemonstrationen, nachdem US-Soldaten auf dem Stützpunkt Bagram Koran-Exemplare verbrannt hatten. Eine Entschuldigung von US-Präsident Barack Obama konnte die Gewalt nicht stoppen. Bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen wurden bislang mindestens 29 Menschen, darunter zwei US-Soldaten, getötet. Am Donnerstag hatte die Bundeswehr ihren Stützpunkt in der Stadt Talokan wegen der Proteste vorzeitig geräumt .

Auch in anderen Teilen des Landes gingen die Koran-Proteste weiter: In der östlichen Provinz Laghman stürmten Demonstranten das Büro des Gouverneurs. "Sie sind in das Gouverneursbüro vorgedrungen, aber es gelang ihnen nicht, es zu verwüsten", sagte Dschamjatullah Hameedi, Vizegouverneur von Laghman. Der Vorfall habe sich in der Provinzhauptstadt Mehtarlam ereignet. Dort hatte die Nato vor rund einem Jahr die Verantwortung an die Afghanen übergeben. "20 Menschen wurden verletzt. Zwei von ihnen sind in kritischem Zustand", sagte Hameedi.