Der Direktor des rumänischen Auslandgeheimdienstes, Mihai Răzvan Ungureanu, soll nach dem Rücktritt der rumänischen Regierung neuer Ministerpräsident werden. Staatspräsident Traian Băsescu sagte, die Regierungskoalition habe sich darauf verständigt, Ungureanu als Regierungschef vorzuschlagen. Der 43-Jährige hat nun zehn Tage Zeit, sein Kabinett zusammenzustellen, das er dann dem Parlament zur Abstimmung vorstellt.

Der parteilose Ungureanu war zuvor von 2004 bis 2007 Außenminister des südosteuropäischen Landes. Der Historiker hat zudem eine Professur an der Universität Bukarest.

Unklar ist jedoch, ob das Parlament dem Vorschlag zustimmen wird. Rumäniens liberale und sozialistische Opposition hat mehrfach betont, gegen jeden Vorschlag Băsescus stimmen zu wollen, um vorgezogene Wahlen herbeizuführen. Angesichts der knappen Mehrheitsverhältnisse im Parlament und möglicher Überläufer galt ein derartiges Szenario als nicht ausgeschlossen.

Ungureanu will Sparpolitik fortsetzen

Der wegen seines harten Sparkurses umstrittene bisherige Ministerpräsident Emil Boc hatte am Montag den Rücktritt seiner Mitte-rechts-Regierung erklärt. Er begründete den Schritt mit dem Wunsch, "die politische und soziale Situation im Land zu entspannen". Der 45-jährige Boc war seit Ende 2008 Regierungschef. In seiner Liberal-Demokratischen Partei (PDL) war er zunehmend umstritten.

Die Mitte-rechts-Regierung hatte Umfragen zufolge das Vertrauen der Bevölkerung verloren . Der Internationale Währungsfonds ( IWF ) und die EU zeigten sich dagegen zufrieden über den strikten Sparkurs der Regierung Boc. Ungureanu kündigte an, die Reformen fortsetzen zu wollen. Auch stellte er Gespräche mit der Opposition in Aussicht. Diese pocht jedoch auf vorgezogene Neuwahlen.

Vorgezogene Wahlen könne es frühestens fünf Monate nach einer gescheiterten Regierungsbildung geben. Eine bis dahin amtierende Übergangsregierung habe kaum Entscheidungsbefugnisse und dies könne die internationale Kreditwürdigkeit des Landes gefährden, sagte Băsescu.