Die Bundesregierung hat einen Bericht zurückgewiesen, nach dem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammen mit anderen konservativen Regierungschefs in Europa den französischen Präsidentschaftskandidaten François Hollande boykottiere . "Die Berichterstattung über eine solche angebliche Allianz ist falsch", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert . Es gebe "keinen Grund für böses Blut".

Der Spiegel hatte über einen Boykott Hollandes durch mehrere konservative Regierungschefs in der EU berichtet. Der Absprache zwischen Merkel, Italiens Regierungschef Mario Monti und dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy habe sich auch der britische Premier David Cameron angeschlossen, berichtete das Magazin. Als Grund dafür wurde Hollandes Ankündigung genannt, bei einem Wahlsieg den zwischen 25 EU-Mitgliedern geschlossenen Fiskalpakt neu zu verhandeln. Frankreich wählt im Mai den Präsidenten.

Auch Frankreichs Präsident Sarkozy versicherte, er habe nie mit den anderen konservativen Regierungschefs in Europa darüber gesprochen, dass sie seinen Rivalen nicht empfangen sollten. Der spanische Regierungschef Mariano Rajoy bestritt ebenfalls, dass er das zugesagt habe. Auch in italienischen Regierungskreisen hieß es, der Artikel sei "frei erfunden".

Kein Treffen geplant

Allerdings blieb Merkel wohl bei ihrem Nein zu einem Treffen mit Hollande während des Wahlkampfs . Seibert sagte, dass es im Kalender der Kanzlerin "bislang keinen Termin" gebe. Vor der letzten Präsidentenwahl hatte Merkel die damalige sozialistische Kandidatin Ségolène Royal – Hollandes frühere Lebensgefährtin – noch empfangen.

Hollande sagte dazu dem Fernsehsender France 3, über seine Zukunft werde das französische Volk entscheiden. Andere europäische Politiker sollten keinen Druck ausüben. Sozialistenchefin Martine Aubry sagte, Hollande habe aus Höflichkeit um einen Termin gebeten. Die Kanzlerin habe darauf gesagt, dass sie kein Treffen wünsche.

Westerwelle warnt vor Schaden

Regierungssprecher Seibert verteidigte Merkels Entscheidung, als CDU-Vorsitzende ihren konservativen Parteifreund Nicolas Sarkozy in Frankreich zu unterstützen. Die Kanzlerin habe in der Euro-Krise mit dem französischen Präsidenten besonders eng zusammengearbeitet und unterstütze ihn daher. Seibert erinnerte zudem daran, dass Hollande im vergangenen Jahr auf dem SPD-Parteitag dazu aufgerufen habe, eine neue Regierung 2013 in Deutschland zu wählen. "Wir haben das damals nicht beklagt", sagte Seibert. Nun sollte sich "auch keiner beklagen".

Merkels Unterstützung für Sarkozy hatte auch in der Regierung Kritik hervorgerufen. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte zur Zurückhaltung im französischen Wahlkampf gemahnt und vor einem Schaden für das Deutschlandbild im Ausland gewarnt. Sein Sprecher Andreas Peschke versicherte, die Bundesregierung sei nicht Teil des französischen Wahlkampfes. Jeder Anschein, dass sich die Bundesregierung einmische, müsse vermieden werden.

"Verletzt deutsche Interessen"

Die Opposition hielt der Kanzlerin vor, sie schade mit ihrem Verhalten deutschen Interessen. SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte: "Wenn sie behauptet, sie könne mit dem aussichtsreichsten Präsidentschaft-Kandidaten nicht zusammenarbeiten, zeigt das ein eigentümliches Demokratieverständnis – und schadet deutschen Interessen." Das deutsch-französische Verhältnis sei wichtiger als "die konservative Parteipolitik von Merkozy".

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sagte, Oppositionsführer wie Hollande "nicht mehr offiziell zu empfangen, ist kindisch und verletzt deutsche Interessen". Trittin nannte es sogar einen "Skandal", wenn Merkel ihre konservativen Kollegen "zu solch uneuropäischem Verhalten überredet".

Sieben Wochen vor der Präsidentschaftswahl liegt Hollande in allen Umfragen vor Sarkozy. Demnach würde er auch in einer Stichwahl am 6. Mai den konservativen Amtsinhaber klar schlagen.