Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat mit einem vorläufigen Austritt seines Landes aus dem Schengen-Abkommen gedroht. Die Abkommen würden den "Schwierigkeiten nicht mehr gerecht", sagte Sarkozy bei einem Wahlkampf-Auftritt vor Zehntausenden Anhängern in Villepinte im Nordosten von Paris . Sollten die Verträge nicht einer grundlegenden Reform unterzogen werden, werde Frankreich seine Beteiligung aussetzen.

Der "Zustrom" von Ausländern dürfe nicht der Regelung durch "Technokraten und Gerichte" überlassen werden, forderte Sarkozy. Ähnlich wie zur Absicherung des Euro sei eine strukturelle Reform des Schengen-Raums erforderlich. Wenn ein Staat den Verpflichtungen aus den Schengen-Abkommen nicht nachkomme, müsse er bestraft und notfalls sogar ausgeschlossen werden können, forderte Sarkozy.

Für die Wahrung des Schengen-Raums bedürfe es einer "politischen Regierung", ebenso wie es künftig eine "Regierung der Euro-Zone" gebe, sagte Sarkozy. Er halte eine Neuregelung binnen zwölf Monaten für erforderlich. Wenn bis dahin keine Einigung erzielt sei, werde Frankreich seine Beteiligung aussetzen.

Mit den Schengener Abkommen vereinbarten die teilnehmenden Staaten seit den 1980er Jahren gemeinsame Standards bei den Einreiseregelungen. An den Binnengrenzen des Schengen-Raums gibt es keine Passkontrollen. Ausländer, die in einen der Schengen-Staaten eingereist sind, genießen das Prinzip der Freizügigkeit.

Gemeinsam gegen illegale Einwanderung

Frankreich werde die "Unzulänglichkeiten" bei der Kontrolle der europäischen Außengrenzen nicht hinnehmen, sagte Sarkozy. Die EU-Länder müssten gemeinsam gegen illegale Einwanderung vorgehen. Wie in der Finanz- und Wirtschaftspolitik bräuchten sie auch beim Ausländer- und Asylrecht mehr einheitliche Regelungen.

Zu dem Wahlkampfauftritt in Villepinte wurden die Anhänger des Präsidenten mit Sonderzügen und 700 Bussen transportiert. Die Regierungspartei UMP strebte die Teilnahme von 60.000 Menschen an. Der Kampf gegen die illegale Einwanderung ist für große Teile der rechtsgerichteten Wählerschaft ein Kernanliegen. 

Um die europäische Wirtschaft anzukurbeln, forderte Sarkozy eine Regelung nach dem Vorbild des Buy American Acts , der die US-Behörden verpflichtet, bei öffentlichen Ausschreibungen Unternehmen aus den USA zu bevorzugen. Frankreich werde sich dafür einsetzen, dass die EU eine ähnliche Klausel verabschiede, sagte der Präsident. Falls binnen zwölf Monaten kein entsprechender Beschluss gefasst werde, werde Frankreich eine solche Regelung im Alleingang einführen.

Sarkozy liegt in Umfragen hinter Hollande

Seit seiner Wahl vor fünf Jahren habe er "alles für Frankreich getan", sagte Sarkozy. "Ich habe mich so eingesetzt, wie ich es noch nie zuvor in meinen Leben getan habe."

In den Umfragen liegt Sarkozy nach wie vor deutlich hinter seinem sozialistischen Herausforderer François Hollande . Bis Mitte März wollte der 57-Jährige den Abstand eigentlich aufgeholt haben. Die Großkundgebung in Villepinte sollte aus Sicht der Regierung einen Umschwung bringen.