Trotz wachsender internationaler Kritik hat die syrische Armee ihre Angriffe auf Hochburgen der Protestbewegung ausgeweitet. Nach Berichten von Augenzeugen nahmen Panzer die Stadt Kusair an der Grenze zum Libanon unter Beschuss. Flüchtlinge aus Kusair berichteten, Soldaten seien auch mit Schusswaffen gegen die Bevölkerung vorgegangen. Unter den Vertriebenen waren vor allem Frauen und Kinder.

Auch in Homs hatten die syrischen Truppen die Bombardierung fortgesetzt. Die Armee nahm am Samstag einen Wohnbezirk unter Beschuss, in den Tausende Zivilisten geflohen waren, wie Aktivisten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen berichteten. Nach Angaben von Oppositionsaktivisten wurden Stellungen der Rebellen in der Ortschaft Al-Rastan mit Artillerie und aus der Luft angegriffen.

Helfer vom Roten Kreuz warteten derweil weiterhin darauf, von den syrischen Behörden in das belagerte Viertel Baba Amr in der Stadt Homs gelassen zu werden, um die notleidende Bevölkerung zu versorgen. Dem aus sieben Lastwagen bestehenden Konvoi wurde am Freitag aus angeblichen Sicherheitsgründen der Zugang zu dem Stadtteil verwehrt. Nach der Einnahme von Baba Amr hatte die syrische Regierung dem Roten Kreuz verweigert, Hilfsgüter in das zerstörte Viertel zu bringen. Oppositionelle warfen dem Regime von Präsident Baschar al-Assad vor, ein Massaker verübt zu haben, dessen Spuren nun beseitigt würden. Die Armee hatte Baba Amr 26 Tage lang belagert, bevor die Aufständischen sich am Donnerstag zurückzogen. Praktisch jedes Gebäude ist von dem wochenlangen Beschuss beschädigt , die meisten Bewohner sind geflohen. Bei dem fast ein Jahr anhaltenden Aufstand gegen Assad sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen mindestens 7.500 Menschen getötet worden.

Harsche Kritik an Assad

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von "grausigen Berichten über standrechtliche Erschießungen, willkürliche Festnahmen und Folter". Die Türkei warf Assad ebenfalls Massaker und Kriegsverbrechen vor.

Unterdessen wurden die Leichen der am 22. Februar bei einem Bombardement in Baba Amr getöteten ausländischen Journalisten Marie Colvin und Rémi Ochlik am Sonntagmorgen nach Paris übergeführt, wie französische Medien berichteten. Französische und polnische Diplomaten – Polen vertritt in Syrien die Interessen der USA – hatten zuvor in Damaskus die sterblichen Überreste der amerikanischen Kriegsreporterin Colvin und des französischen Fotografen Ochlik in Empfang genommen.

Bei dem Artillerieüberfall auf ein improvisiertes Pressezentrum waren auch die französische Reporterin Edith Bouvier und der britische Fotograf William Daniels in Lebensgefahr geraten. Beide waren nach einer abenteuerlichen Flucht am Freitagabend in Paris eingetroffen. Bouvier wurde bei den Angriffen am Bein verletzt.