Die Gespräche des UN-Syrienbeauftragten Kofi Annan mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad am Wochenende sind ohne Ergebnis verlaufen. Der frühere UN-Generalsekretär hatte Assad in Gesprächen am Samstag und Sonntag Vorschläge für ein Ende der Gewalt unterbreitet.

Annan setzte sich nach UN-Angaben für ein Ende der Gewalt, ungehinderten Zugang für Helfer und die Freilassung von politischen Häftlingen ein. Er habe dazu mehrere "konkrete Vorschläge" unterbreitet, sagte Annan nach dem Treffen am Sonntag. Nachdem er sich am Samstag tief besorgt über die Lage in Syrien geäußert hatte, sagte er nun, er sei optimistisch.

Zwar seien die Friedensbemühungen schwierig, "aber wir müssen hoffen", sagte Annan. Die Lage in Syrien sei so schlimm und gefährlich, dass die Mission nicht scheitern dürfe. Annan kam als Gesandter der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga in Damaskus mit Assad zusammen.

Unbeeindruckt von den Friedensbemühungen Annans stürmten unterdessen Regierungstruppen die Stadt Idlib. Das teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Am Sonntag weiteten sie ihre Angriffe in der gesamten Provinz aus. Es habe "heftige Kämpfe" zwischen Soldaten und zu den Rebellen übergelaufenen Deserteuren gegeben. Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden am Sonntag mindestens drei Soldaten und ein Zivilist getötet. Tags zuvor kamen demnach landesweit mehr als 90 Menschen ums Leben.

Keine Lösung mit Terroristen

Assad sagte bei seinem ersten Gespräch mit Annan, Syrien stehe einer "aufrichtigen" Friedensinitiative aufgeschlossen gegenüber. Ein Dialog könne aber nicht zum Erfolg führen, solange "terroristische Gruppen" Zivilisten und Soldaten angriffen und an einer Destabilisierung des Landes arbeiteten.

Annan traf in Damaskus auch Vertreter der Opposition. Als Vorbedingungen für einen Dialog nannten sie den Abzug sämtlicher Truppen aus den Städten und die Freilassung von politischen Gefangenen. "Ohne eine Waffenruhe können wir nicht über einen politischen Prozess sprechen", sagte der Oppositionelle Abdel Asis al-Cheir.

Gemeinsame Erklärung von Russland und der Arabischen Liga

Annans Besuch wird auch von China und Russland mitgetragen , die bereits mehrfach im UN-Sicherheitsrat eine gegen Assad gerichtete Resolution mit ihrem Veto verhinderten. Der russische Außenminister Sergej Lawrow machte bei einem Treffen mit der Arabischen Liga in Kairo deutlich, dass sein Land weiter jegliche "grobe Einmischung" in Syrien ablehne.

Trotz erheblicher Meinungsverschiedenheiten einigten sich Russland und die Arabische Liga auf eine gemeinsame Erklärung zu dem Konflikt. Die Gewalt, "woher sie auch kommt", müsse beendet werden, hieß es darin. Die arabischen Minister veröffentlichten aber noch eine eigene Mitteilung, in der sie die wochenlange Bombardierung des Stadtteils Baba Amr in der Rebellenhochburg Homs als ein Vorgehen verurteilten, "das Verbrechen gegen die Menschlichkeit nahe kommt".

Assad lässt seit etwa einem Jahr die Protestbewegung in seinem Land brutal niederschlagen. Etwa 8.500 Menschen sollen bereits getötet worden sein.