In Syrien geht das Regime ungeachtet der für kommende Woche vereinbarten Waffenruhe weiter mit brutaler Gewalt gegen die Opposition vor. Mehr als 80 Menschen kamen allein an diesem Samstag nach einer Zählung von Aktivisten landesweit ums Leben. Die Staatsmacht verfolge die Gegner von Präsident Baschar al-Assad mit "unverminderter Härte", sagte der Leiter der in London ansässigen syrischen Beobachtungsgruppe für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte die syrische Führung aufgefordert, umgehend und ohne Vorbedingungen alle Militäroperationen gegen die syrische Bevölkerung zu beenden. Ban verurteilte nach Angaben seines Sprechers in New York das Vorgehen des Regimes und sagte, der vom Weltsicherheitsrat unterstützte Zeitplan für eine Waffenruhe in wenigen Tagen sei keine Rechtfertigung für weiteres Töten.

Assad brach bereits Versprechen

Am Dienstag sollen ab 6.00 Uhr Ortszeit (5.00 Uhr MESZ) in Syrien die Waffen schweigen – knapp 13 Monate nach Beginn des Konflikts. Viele Diplomaten bezweifeln, dass in Syrien Ruhe einkehren wird. Sie verweisen darauf, dass die syrische Führung bereits in der Vergangenheit ihre Versprechen nicht gehalten und auf Zeit gespielt hat. Unklar ist auch, ob die Freie Syrische Armee in der Lage ist, das Ende der Kämpfe in den eigenen Reihen durchzusetzen. 

Die Regierungstruppen setzten ihre Offensive in den Protesthochburgen fort. Aktivisten teilten mit, dass mehr als 40 Menschen starben, als regimetreue Soldaten die Region Al-Latmana in der Provinz Hama zunächst unter Beschuss nahmen und später stürmten. Nach Angaben der syrischen Menschenrechtsbeobachter gab es zudem in Tibat al-Imam, außerhalb der Stadt Hama , sowie in der Region Al-Kusair nahe der Stadt Homs Tote.

Auch die Kämpfe zwischen regimetreuen Soldaten und Rebellen gingen weiter. Oppositionelle meldeten einen Angriff von Deserteuren auf einen Militärflughafen außerhalb der Stadt Aleppo . In Idlib habe es zudem erneut Kämpfe zwischen Assad-treuen Militärs und fahnenflüchtigen Soldaten gegeben. Wegen der Medienblockade sind Meldungen aus Syrien von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Nach Tagen der Kämpfe und des Bombardements rund um Aleppo suchten immer mehr Menschen Zuflucht in der Türkei : Allein am Freitag flüchteten 3.000 Zivilisten über die Grenze – rund zehnmal so viele wie bisher an einem Tag, bevor Assad vor rund zehn Tagen den Friedensplan akzeptierte. Seit Beginn des Volksaufstandes gegen Assad sind bereits mehr als 42.000 Menschen vor der Gewalt geflohen. Mehr als 9.000 Personen wurden nach Zählung der UN getötet. Die Regierung Assad spricht von knapp über 6.000 Toten, darunter mehr als 2.500 Soldaten und Polizisten.