Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch hat Ermittlungen zu dem Vorwurf angeordnet, dass die inhaftierte Oppositionsführerin Julia Timoschenko im Gefängnis körperlich misshandelt worden sei . Er habe die Generalstaatsanwaltschaft angewiesen, dieser Frage nachzugehen, sagte Janukowitsch. Der Generalstaatsanwalt Viktor Pschonka sei beauftragt, die Vorgänge im Gefängnis in Charkow persönlich zu untersuchen: "Ich hoffe, schnell eine konkrete Antwort zu bekommen."

Am Freitag war Timoschenko aus Protest gegen ihre Haftbedingungen in einen Hungerstreik getreten . Die 51-Jährige, die seit Monaten unter starken Rückenschmerzen leidet, wirft den Behörden vor, sie unter Anwendung von körperlicher Gewalt aus dem Gefängnis in Charkow zur Behandlung in ein nahegelegenes Krankenhaus verlegt zu haben. Sie habe Blutergüsse an den Armen und am Bauch erlitten, klagt Timoschenko. Die Leitung der Strafanstalt weist dies als Verleumdung zurück.

Timoschenko befürchtet bei einer Behandlung in der Ukraine weitere Gesundheitsschäden. In einem Gutachten, das führende Ärzte des Berliner Universitätsklinikums Charité nach Besuchen bei Timoschenko anfertigten, heißt es: "Frau Timoschenko äußerte die Sorge, man könne ihr durch Injektionen Schaden zufügen, weshalb sie sich weder Blut abnehmen lasse noch für jegliche invasive Maßnahmen ihre Zustimmung gebe." Die chronische Schmerzpatientin hege tiefes Misstrauen gegen die ukrainischen Ärzte, schreiben Charité-Chef Karl Max Einhäupl und der Cheforthopäde Norbert Haas. "Auch wenn es aus Sicht der deutschen Experten keinen Grund gibt, an der ärztlich ethischen Verfasstheit der ukrainischen Ärzte (...) zu zweifeln, ist das aus den von Frau Timoschenko gemachten Erfahrungen entstandene Misstrauen ein nahezu unüberwindbares Hindernis für ein vertrauensvolles Arzt-Patient-Verhältnis", schließen die Charité-Ärzte.

"Die Ukraine ist auf dem falschen Weg"

Die Bundesregierung bot der Regierung in Kiew die Verlegung von Julia Timoschenko in ein deutsches Krankenhaus an. Die SPD fordert von der ukrainischen Regierung, eine Behandlung in Deutschland umgehend zuzulassen. "Die Ukraine ist auf dem falschen Weg", sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles .

Dass Bundespräsident Joachim Gauck einen für Mitte Mai geplanten Besuch in der Ukraine wegen des Falls Timoschenko abgesagt hat, stößt bei den im Bundestag vertretenen Parteien auf Zustimmung. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning ( FDP ), sprach von einem "sehr klaren Signal, das Herr Gauck dort aussendet". Es sei nicht akzeptabel, dass Timoschenko und andere Regierungsgegner auf Grundlage von "Schauprozessen" in Haft genommen würden, sagte Löning dem Sender n-tv . Der SPD-Außenpolitiker Rolf Mützenich stellte sich ebenso deutlich hinter Gaucks Absage: Sie sei "ein wichtiges Signal" auch an andere Länder.