Ägyptensfrüherer Geheimdienstchef Omar Suleiman darf nicht zur Präsidentschaftswahl am 23. Mai antreten. Auch der Kandidat der Muslimbrüder, Chairat al-Schater, und der radikalislamische Salafist Hasem Abu Ismail wurden nicht zugelassen. Die ägyptische Wahlkommission lehnte die Anträge der drei sowie sieben weiterer Bewerber auf eine Kandidatur ab. Die abgelehnten Bewerber haben zwei Tage Zeit, gegen die Entscheidung der Wahlkommission Einspruch einzulegen.

Der Leiter der Wahlkommission, Faruk Sultan, begründete die Ablehnung des früheren Mubarak-Vertrauten Suleiman damit, dass er in einer der 27 Provinzen nicht genügend Unterschriften gesammelt habe. Bewerber, die für keine Parlamentspartei antreten, benötigen insgesamt 30.000 Unterschriften aus allen Provinzen. Suleiman hatte erst kurz vor Bewerbungsschluss seine Kandidatur eingereicht.

Tausende Ägypter hatten noch am Freitag nach einem Aufruf der Muslimbrüder gegen Suleiman demonstriert. Er war vom damaligen Präsident Hosni Mubarak nach dem Beginn der Massenproteste im Januar 2011 zum Vize-Präsidenten ernannt worden. Suleiman verlor dieses Amt jedoch, als Mubarak am 11. Februar zum Rücktritt gezwungen wurde. Damals übernahm das Militär die Macht.

Der stellvertretende Vorsitzende der Muslimbrüder, Al-Schater , wurde nicht zugelassen, weil er vorbestraft ist. Er war unter dem Regime von Mubarak wegen diverser Vergehen verurteilt worden. Nach Mubaraks Sturz wurde Al-Schater zwar begnadigt, aber die Urteile wurden nicht aufgehoben. Ein Gesetz besagt, dass Häftlinge nach Verbüßung ihrer Strafe oder nach ihrer Begnadigung sechs Jahre nicht für eine Wahl kandidieren dürfen. Al-Schater wurde erst im März 2011 aus der Haft entlassen. Die Muslimbrüder hatten bereits damit gerechnet, dass Al-Schater gesperrt werden könnte und daher einen Alternativkandidaten aufgestellt, den Vorsitzenden ihrer Partei für Gerechtigkeit und Freiheit, Mohammed Morsi.

Suleiman lag in Umfrage vorn

Der salafistische Kandidat Abu Ismail wurde den Angaben zufolge gesperrt, weil seine Mutter die US-Staatsbürgerschaft habe. Gemäß dem Gesetz dürfen Kandidaten nur die ägyptische Staatsbürgerschaft besitzen und müssen von ägyptischen Eltern abstammen.

Zur ersten Präsidentenwahl nach der Wende in Ägypten hatten sich 23 Kandidaten angemeldet. Zugelassen wurde unter anderem der frühere Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa. Er war zehn Jahre lang Außenminister unter Mubarak.

Nach einer am Samstag veröffentlichten Umfrage für die unabhängige Kairoer Tageszeitung Al-Masry Al-Youm lag der 75-jährige Suleiman mit 20,1 Prozent vor allen anderen Kandidaten. Auf dem zweiten Platz folgte mit 12,4 Prozent der ehemalige Muslimbruder Abdul Moneim Abul Futuh , dessen Kandidatur anerkannt wurde. 11,7 Prozent hätten den Salafisten Abu Ismail gewählt. Amre Mussa bekam in der Umfrage nur 6,4 Prozent und der Muslimbruder Al-Schater sogar nur 3,2 Prozent. 

Die größte Gruppe stellten die Unentschiedenen mit 38,1 Prozent. Mehr als 93 Prozent erklärten aber, sie wollten zur Wahl gehen. Wenn kein Kandidat im ersten Wahlgang eine Mehrheit erhält, kommt es im Juni zur Stichwahl.