Etwa 18 Stunden nach Beginn einer Taliban-Offensive sind die Kämpfe in Kabul zu Ende. "Alle Terroristen sind getötet worden. Wir haben die Lage jetzt unter unserer Kontrolle", sagte der Polizeichef der afghanischen Hauptstadt, General Ayoub Salangi. Ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums sagte nach neuen Angaben, es gebe drei tote Zivilisten und acht verletzte Sicherheitskräfte. Außerdem seien 36 Taliban-Kämpfer getötet worden.

Augenzeugen berichteten, die Nacht über und bis in den Morgen hinein seien Schüsse und Explosionen in der Nähe des Parlaments zu hören gewesen. Ein Polizeioffizier bestätigte, noch am Morgen seien Einsatzkräfte mit Nato-Luftunterstützung gegen Rebellen vorgegangen, die sich in zwei Gebäuden im Diplomatenviertel verschanzt hielten.

Mehrere Kämpfer hatten nach Behördenangaben zudem versucht, das Parlament zu stürmen, wurden aber von Sicherheitskräften überwältigt. Ein Mitarbeiter von Präsident Hamid Karsai sagte, dieser sei ebenfalls in Sicherheit gebracht worden. Aus Geheimdienstkreisen hieß es, zwei mit Sprengstoff bewaffnete Männer und ein weiterer Angreifer hätten das Haus vom Mohammed Karim Chalili, einem Stellvertreter Karsais, im Visier gehabt, seien aber gefasst worden.

Am gestrigen Sonntag hatten die Taliban an drei Stellen in Kabul und in drei afghanischen Städten ihre Frühjahrsoffensive begonnen. In den kalten afghanischen Wintern ziehen sich die Taliban regelmäßig zurück und intensivieren ihre Angriffe auf die Regierung und die Nato-Truppe Isaf im Frühling wieder.

Botschaftsmitarbeiter in Sicherheit

Von den Angriffen im Diplomatenviertel von Kabul war auch die deutsche Botschaft betroffen, bestätigte A ußenminister Guido Westerwelle ( FDP ). Es habe "kleinere Sachschäden" auf dem Botschaftsgelände gegeben, jedoch keine Verletzten. Die Botschaftsmitarbeiter befänden sich an einem sicheren Ort.

Auch in der Nähe der US-Botschaft waren Explosionen und Schüsse zu hören. Die US-Vertretung teilte ebenso wie die britische Botschaft später mit, alle Mitarbeiter seien unverletzt in Sicherheit gebracht worden.

Ein Isaf-Sprecher sagte, afghanische Sicherheitskräfte hätten die Einsätze geleitet. US-Botschafter Ryan Crocker lobte diese als "sehr professionell". Westerwelle sagte, die Ereignisse zeigten, dass die Lage weiter schwierig sei.

Grüne und SPD fordern Hilfe für afghanische Mitarbeiter

Politiker von Grünen und FDP forderten erneut Verhandlungen des Westens mit den Taliban . "Man muss mit allen Taliban-Gruppierungen reden, die verhandeln wollen", sagte der Grünen-Verteidigungspolitiker Omid Nouripour der Rheinischen Post . "Das Gesprächsangebot muss dringend auf dem Tisch bleiben." Auch die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP, Elke Hoff , sagte: "Natürlich müssen der Westen und die afghanische Regierung mit den Taliban verhandeln. Das Problem ist, dass die Taliban keine einheitliche Bewegung darstellen."

Verteidigungspolitiker von SPD und Grüne forderten zudem, afghanischen Mitarbeitern der Bundeswehr nach deren Abzug 2014 notfalls in Deutschland aufzunehmen. "Ich sehe eindeutig eine Verantwortung Deutschlands, den afghanischen Mitarbeitern der Bundeswehr bei uns Schutz zu gewähren, wenn sie in Afghanistan gefährdet sind", sagte der SPD-Abgeordnete Rainer Arnold , der Mitteldeutschen Zeitung . "Man kann sie nach dem Abzug nicht einfach sich selbst überlassen. Das wäre unmenschlich."

Der Grünen-Politiker Nouripour sagte der Zeitung: "Nicht nur die Übersetzer sind in Lebensgefahr, wenn die Bundeswehr raus ist, sondern auch die Fahrer." Die Bundesregierung müsse dringend sagen, was sie mit ihnen vorhabe. "Den größten Schutz hätten diese Menschen, wenn sie nach Deutschland kämen."