Die birmanische Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi wird erstmals seit Jahrzehnten ihr Land verlassen. Sie werde im Juni in Oslo erwartet, teilte das Außenministerium Norwegens mit. Das Nobelpreiskomitee plant einen Empfang für sie. Denn als Aung San Suu Kyi 1991 den Friedensnobelpreis erhielt, stand sie unter Hausarrest. Ihre Söhne hatten die Auszeichnung entgegen genommen.

Sie werde auch Großbritannien besuchen, bestätigte ein Vertreter ihrer Partei. Premier David Cameron hatte sie während eines Treffens in Rangun in der vergangenen Woche eingeladen. Sie werden nach Oxford reisen, hieß es, die genaue Route ihrer Reise ist aber noch nicht klar.

Vor zwei Jahren hätte sie die Einladung noch ablehnen müssen, sagte Aung San Suu Kyi. Durch die politischen Veränderungen in Birma ist jedoch die Chance gestiegen, dass sie nach der Reise auch wieder ins Land darf. Sie hatte 15 Jahre unter Hausarrest verbringen müssen, weil die Militärregierung ihren Einfluss als Oppositionspolitikerin fürchtete.

Militärjunta verhinderte Übernahme

Aung San Suu Kyi war 1988 nach langem Auslandsaufenthalt vor allem in Großbritannien nach Birma zurückgekehrt, um ihre sterbende Mutter zu pflegen. Als Studentenproteste gegen das Regime ausbrachen, begann sie, sich politisch zu engagieren. Sie wurde 1989 erstmals eingesperrt. Die Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD) gewann dann 1990 die Parlamentswahl, doch die Militärjunta verhinderte damals die Regierungsübernahme der Partei.

Vor wenigen Wochen hatte die von Aung San Suu Kyi geführte NLD in einer Nachwahl 40 von 45 zur Wahl stehenden Parlamentssitze gewonnen. Zum Mitregieren reichte das insgesamt nicht, denn es ging nur um sieben Prozent der Mandate. Jedoch ist der Einfluss der Opposition in dem Land seither deutlich stärker.

Die vor einem Jahr angetretene Regierung strebt demokratische Reformen an. Das Parlament und die Regierung sind nach wie vor von ehemaligen und noch dienenden Militärangehörigen kontrolliert.