Am Tag nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich haben die beiden Kandidaten für die Stichwahl den Kampf um die Mitte- und Rechtswähler begonnen. Der Sieger des ersten Wahlgangs, der Sozialist François Hollande , kündigte an, die extremistischen Wähler "zu suchen".

Er wolle sich auch um Wähler kümmern, "die nicht mehr wissen, wo sie sind". Er denke insbesondere an diejenigen, die sich zu einem "extremistischen Votum" hinreißen ließen, sagte der Sozialist bei einer Wahlkampfkundgebung in der Bretagne .

Beim ersten Wahlgang hatte die Chefin der rechtsextremen Front National , Marine Le Pen, mit 17,9 Prozent das beste Ergebnis der Parteigeschichte eingefahren. Beim zweiten Wahlgang am 6. Mai wird es auch auf diese Wähler ankommen.

Präsident Nicolas Sarkozy , der knapp hinter Hollande lag, sagte: "Man muss das Votum der Wähler respektieren. Unsere Aufgabe ist es, zu verstehen." Er sprach von einem Wahlergebnis der Krise. An die Protestwähler gerichtet versicherte der Präsident: "Ich sage ihnen jedenfalls: Ich habe euch verstanden."

Voraussichtlich keine Wahlempfehlung von Le Pen

Vor der Stichwahl um das Präsidentenamt ist es üblich, dass Kandidaten, die im ersten Wahlgang unterlegen sind, eine Wahlempfehlung abgeben. Manchmal können sie dafür im Gegenzug politische Zugeständnisse durchsetzen.

Die Front National machte aber deutlich, dass sie zu Verhandlungen mit der konservativen Regierungspartei UMP von Sarkozy nicht bereit sei. Ihr Wahlkampfchef Florian Philippot sagte, seine Partei stehe nicht für "die kleinen politischen Tricks". 

Aller Voraussicht nach wird Le Pen ihre Wähler also nicht dazu aufrufen, Sarkozy zu unterstützen. Dieser hofft dennoch – dank wiederholter Beteuerungen, er wolle illegale Ausländer künftig rasch abschieben lassen und notfalls auch die offenen Grenzen im Schengen-Raum wieder schließen – auf die Stimmen der rechten Wähler.

Umfragen sehen Hollande vorn

Laut Umfragen zweier Meinungsforschungsinstitute vom Sonntag kann Hollande in der Stichwahl mit rund 54 Prozent der Stimmen rechnen und Sarkozy mit bis zu 46 Prozent. Die Zahlen sind seit Monaten relativ stabil.

Die Bundesregierung zeigte sich ebenso wie die SPD beunruhigt über das überraschend starke Ergebnis Le Pens. Von einem "alarmierenden Zeichen" sprach auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann.