Islands früherer Regierungschef Geir Haarde muss nicht ins Gefängnis wegen seiner Entscheidungen während des Kollaps des isländischen Bankensystems im Jahr 2008. Ein vom Parlament eingesetztes Sondergericht sprach den Angeklagten nur in einem von vier Anklagepunkten schuldig. "Geir Haarde wird nicht bestraft werden", sagte der Vorsitzende des Gerichts, Markus Sigurbjornsson, in Reykjavík. Das Gericht erklärte Haarde jedoch schuldig, die Regierung nicht ausreichend über den Zusammenbruch informiert zu haben. So habe er etwa keine Kabinettssitzung einberufen. Dieses Vergehen sei aber nicht ausreichend gewesen, um ihn zu einer Gefängnisstrafe zu verurteilen.

Staatsanwältin Sigríður Friðjónsdóttir hatte die Höchststrafe von zwei Jahren Haft für Haarde gefordert. Der Ex-Ministerpräsident hatte stets eine Mitverantwortung für den Bankenkollaps in seinem Land zurückgewiesen.

Der isländische Finanzsektor war im Herbst 2008 mit der Pleite gleich mehrerer Großbanken zusammengebrochen. In der Folge büßte die isländische Krone massiv an Wert ein, wodurch zahlreiche der 320.000 Einwohner des Landes ihre Ersparnisse verloren. Zudem stieg die Arbeitslosigkeit drastisch an. Ein Staatsbankrott wurde nur durch einen Milliardenkredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der skandinavischen Länder verhindert.

Haardes Regierung trat Anfang 2009 unter dem Druck wochenlanger Proteste zurück. Haarde ist der einzige Politiker, der sich wegen des isländischen Bankencrashs verantworten muss. Dafür wurde erstmals von dem Sondergericht Landsdómur Gebrauch gemacht, das ausschließlich für Prozesse gegen frühere oder amtierende Regierungsmitglieder bestimmt ist. Das Gericht hatte im Oktober zwei der ursprünglich sechs Anklagepunkte fallen gelassen, darunter den schwerwiegendsten der "groben Fahrlässigkeit".