Mehrere israelische Spitzenpolitiker stellen sich nach eigenen Angaben auf vorgezogene Neuwahlen ein. Die israelische Tageszeitung Haaretz zitierte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit den Worten, die Frage vorgezogener Wahlen werde "bald geklärt". Netanjahu sagte dem Blatt zufolge in einer Runde von Ministern seiner konservativen Likud-Partei, es gebe die Annahme, dass es zu Neuwahlen komme, es gebe aber noch keinen Entschluss.

In Netanjahus Koalitionsregierung ist wegen einer Reform des Militär- und Zivildienstes Streit ausgebrochen. Nach einer bisherigen Regelung sind ultraorthodoxe Juden de facto von der Wehrpflicht ausgenommen. Außenminister Avigdor Lieberman , Chef der ultranationalistischen Partei Israel Beitenu, drohte mit dem Bruch der Koalition für den Fall, dass ein Reformgesetz im Parlament angenommen werde. Liebermann sagte, seine Partei habe "keine Verpflichtungen mehr gegenüber dieser Regierung, sondern gegenüber unseren Wählern". Netanjahu dagegen will die Reform unterstützen, "selbst wenn die Koalition zerbricht", sagten Gegner der bisherigen Regelung. Über das Gesetz soll am 9. Mai abgestimmt werden.

Der Vorsitzende der oppositionellen Kadima-Partei, Schaul Mofas, forderte vorgezogene Neuwahlen. Sollte Netanjahu dafür kein Datum festsetzen, werde er einen Antrag zur Auflösung des Parlaments stellen. Möglich wäre laut Mofas der 16. Oktober. Die Legislaturperiode läuft eigentlich noch bis November 2013. Die Vorsitzende der Arbeitspartei, Schelly Jacimovitsch, forderte die Opposition im Rundfunk auf, "sich zu verbünden, um diese Regierung zu stürzen". Netanjahu sagte daraufhin, er fürchte keine Neuwahlen.