Das von den UN unterstützte Sondertribunal für Sierra Leone hat den früheren liberianischen Diktator Charles Taylor schuldig gesprochen. Er ist der erste ehemalige afrikanische Staatschef, der von einem internationalen Gericht zur Verantwortung gezogen wird. Die Höhe der Strafe will das Gericht später verkünden.

Taylor hatte alle Vorwürfe bestritten. Er war in elf Punkten angeklagt, darunter Mord, Kriegsverbrechen, Rekrutierung von Kindersoldaten und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ein Hauptvorwurf war, dass er im Nachbarland Sierra Leone die brutale Rebellengruppe "Revolutionäre Vereinigte Front" (RUF) als Gegenleistung für Diamanten mit Waffen ausgerüstet haben soll. Während des Bürgerkrieges in Sierra Leone wurden zwischen 1991 und 2001 etwa 120.000 Menschen getötet.

Taylor war 2006 festgenommen worden. Das Verfahren dauerte fünf Jahre. Unter anderem hatten Naomi Campbell und ihre Agentin Carol White in dem Prozess ausgesagt, auch die US-Schauspielerin Mia Farrow war geladen. Campbell hatte Taylor 1997 auf einer Veranstaltung getroffen und soll von ihm Diamanten geschenkt bekommen haben.

Waffenstillstand und Rücktritt

Der 64-Jährige war in Liberia 1997 mit brutalen Mitteln an die Macht gekommen und hatte sich zum Präsidenten wählen lassen. Schon vorher hatte er aus dem Ausland ins Machtgefüge Liberias eingegriffen. Er ließ 1990 den Diktator Samuel Doe entmachten und nach stundenlanger Folter töten. In dem dann folgenden Bürgerkrieg um Rohstoffe und Diamanten in Liberia starben mehr als 200.000 Menschen.

Durch internationalen Druck kam ein Waffenstillstand und eine demokratische Wahl zustande. Infolge des zweiten liberianischen Bürgerkrieges und weiteren internationalen Drucks trat Taylor im August 2003 zurück und ging ins Exil nach Nigeria .