Wegen der Unruhen im westafrikanischen Staat Mali befinden sich nach UN-Angaben 200.000 Menschen auf der Flucht . Etwa 107.000 davon seien Vertriebene im eigenen Land, der Rest sei in die Nachbarländer Mauretanien , Niger , Burkina Faso und Algerien geflüchtet, teilten das Flüchtlingskommissariat UNHCR und das Welternährungsprogramm (WPF) der Vereinten Nationen in Genf mit.

Angesichts einer wachsenden Zahl bewaffneter Gruppen im Norden Malis werde die Lage immer gefährlicher, sagte das UNHCR. Die Büros und Lagerräume des WFP in den nordmalischen Städten Gao, Kidal und Timbuktu seien geplündert worden.

Wegen des von der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas verhängten Embargos bildeten sich in der malischen Hauptstadt Bamako lange Schlangen vor den Tankstellen. Einige Tankstellen schlossen aus Angst vor Plünderungen.

Die Militärjunta hatte im März die Regierung von Präsident Amadou Toumani Touré gestürzt . Als Grund für den Putsch nannte sie die Unfähigkeit der Regierung, die Rebellion der Tuareg im Norden Malis zu beenden. Die Tuareg kämpfen seit Jahren für die Unabhängigkeit ihrer Region Azawad. Am Dienstag will sich der UN-Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung mit der Lage in Mali befassen.

Rebellen wollen in Nord- Mali islamisches Recht einführen

Eine islamistische Gruppe, die gemeinsam mit den Tuareg-Rebellen für die Unabhängigkeit von Nord-Mali kämpft, will in Timbuktu die Scharia, das islamische Rechtssystem, einführen. Die Gruppe habe Radiostationen aufgefordert, keine internationale Musik mehr zu spielen, sagten Einwohner. Zudem sollten Frauen keine Hosen, sondern nur noch Röcke und Kleider tragen.

Die Gruppe Ansar Dine kämpft zusammen mit den Tuareg-Rebellen der MNLA (Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad) für eine Abspaltung des Nordens. Das Gebiet, das die Rebellen für sich beanspruchen, reicht von den Grenzen zu Algerien und Niger bis zum Fluss Niger, der außerhalb von Timbuktu verläuft.