Kämpfer der Taliban haben am frühen Sonntagmorgen ein Gefängnis im Nordwesten Pakistans angegriffen. 384 Häftlinge hätten entkommen können, berichtete die Polizei. Die etwa 150 bis 200 Angreifer seien mit Autos und Motorrädern gekommen und hätten das Wachpersonal überwältigt. Die Sicherheitskräfte hätten keine Chance gegen die zahlenmäßig überlegenen Kämpfer gehabt. Vier Wachleute sind nach Polizeiangaben verletzt worden.

Ein Sprecher der Gruppierung Tehreek-e-Taliban (TTP) sagte, dass sie für den Überfall verantwortlich sei. Der Angriff sei langfristig geplant gewesen, ein wichtiger Anführer sei befreit worden, außerdem Hunderte ihrer Gesinnungsgenossen. Nach Angaben der pakistanischen Sicherheitsbehörden handelt sich aber nur bei einigen der Flüchtigen um Militante.

Informationsminister Hussain sagte, die Angreifer seien mit Panzerfäusten und Schnellfeuergewehren bewaffnet gewesen. Sie hätten Straßensperren um das Gefängnis errichtet und seien dann durch den Haupteingang eingedrungen. "Dieser Angriff ist der erste dieser Art und sehr gefährlich." Man untersuche, warum die Gefängniswärter keine Unterstützung von nahe gelegenen Polizeiwachen erhalten hätten und wie es den Taliban gelungen sei, Straßensperren zu errichten.

Rückzuggebiet für Taliban und Al-Kaida

Etwa 20 der ausgebrochenen Häftlinge sind nach Angaben der Provinzregierung sehr gefährlich. Die Haftanstalt an der Grenze zu den unruhigen pakistanischen Stammesgebieten hatte 944 Insassen. Erst kürzlich waren Häftlinge aus zwei anderen Gefängnissen dorthin verlegt werden.

Im Kampf gegen die radikalislamischen Taliban könnte der Vorfall für Pakistan einen Rückschlag bedeuten. In den vergangenen Monaten hat es weniger größere Selbstmordanschläge gegeben. Das könnte entweder bedeuten, dass das scharfe Vorgehen der Sicherheitskräfte die Gruppe geschwächt oder aber dass sie ihre Taktik geändert hat.

Die unzugänglichen halbautonomen Stammesgebiete in der gebirgigen Grenzregion zu Afghanistan gelten als Rückzuggebiet des Terrornetzwerks Al-Kaida, der Taliban und anderer militanter Gruppen. Sie hatten der Regierung in Islamabad 2007 den Dschihad, den Heiligen Krieg, erklärt. Seitdem wurden in Pakistan fast 5.000 Menschen durch Anschläge getötet, von denen die meisten von den Taliban und von Al-Kaida verübt wurden.