"Vor nur etwas mehr als einem Jahr sah alles so gut aus", begann Alex de Waal, einer der führenden Sudan-Experten, vor wenigen Tagen einen Vortrag über die jüngste Eskalation zwischen den beiden Staaten Sudan und Südsudan . Und wirklich: Als die Menschen im Süden in einer Volksabstimmung für die Unabhängigkeit vom Rest des Landes stimmten, waren die Hoffnungen auf Frieden groß. Heute drohen Auseinandersetzungen über den Grenzverlauf und vor allem um den Zugang zum Öl, die Länder in einen neuen Krieg zu führen. Und das sind nur die großen Konflikte.

Selbst der sudanesische Präsident Omar al-Baschir gab sich kurz vor der Teilung des größten Landes Afrikas versöhnlich. "Wir haben der Selbstbestimmung des Südsudans zugestimmt, nachdem uns klar geworden ist, dass Einheit nicht mit Gewalt zu erreichen ist", sagte er damals. Al-Baschir nahm selbst an der Unabhängigkeitsfeier teil, und seine Regierung war die erste, die den neuen Staat anerkannte. Er sei bereit, „mit unseren Brüdern zusammenzuarbeiten und ihnen beim Staatsaufbau zu helfen".

Nach Jahrzehnten der Gewalt war die Spaltung ein Wendepunkt für den Sudan . Doch der Frieden war trotz aller Beteuerungen schon damals zerbrechlich. 22 Jahre dauerte der Bürgerkrieg, in dem in erster Linie die Regierung im eher arabisch-muslimischen Norden und mehrere Befreiungsgruppen im schwarzafrikanisch-christlich geprägten Süden gegeneinander kämpften. An dessen Ende stand im Jahr 2005 ein Friedensabkommen, in dem auch die Volksabstimmung vereinbart wurde.

Viele Punkte blieben dabei aber ungelöst, und die beiden Länder sind auch nach der Teilung in jeder Hinsicht aufeinander angewiesen. Das hängt vor allem mit dem Öl zusammen : Drei Viertel der Quellen liegen im Süden, das Öl erreicht die internationalen Märkte jedoch nur über die industrielle Infrastruktur des Nordens und dessen Pipeline. Deshalb bleibt eigentlich keine andere Wahl, als auf diesem Feld umfassend zu kooperieren.

Stopp der Ölförderung ist ein Ultimatum für die Konfliktlösung

Vor der Unabhängigkeit des Südens machten die Öleinnahmen für den Norden mehr als 50 Prozent des Staatshaushaltes aus. Seither ist ein Großteil der Erlöse weggebrochen. Auch für die Nutzung der Pipeline erhält der Sudan vom Nachbarn im Süden noch keinen Ausgleich; die Verhandlungen darüber waren bislang ergebnislos. Und die Regierung in Khartum sieht sich kaum in der Lage, diesen Verlust zu kompensieren. Im Gegenteil: Die wirtschaftliche Lage ist derart angespannt, dass der Norden im Dezember offenbar aus purer Not auf Öl zugriff, das rechtmäßig dem Süden gehörte.

Als Reaktion darauf stoppte der Südsudan im Januar die Ölförderung komplett. Allein damit hat sich die Regierung von Präsident Salva Kiir nach Einschätzung von de Waal selbst ein Ultimatum zur Lösung des Konflikts gestellt: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ihr das Geld ausgeht. Denn im Süden machen die Öleinnahmen nahezu 100 Prozent des Staatsbudgets aus.