Immer mehr Menschen fliehen aus dem umkämpften Syrien in die Türkei . Allein am Donnerstag seien 2.800 Menschen aus dem Nachbarland angekommen, sagte ein Sprecher der türkischen Regierung. Noch nie zuvor waren so viele Flüchtlinge an einem Tag angekommen, die Zahl überschritt die bisherige Höchstzahl um das Doppelte.

Die Flüchtlinge überquerten die Grenze bei dem Dorf Bükülmez. Viele weitere Menschen warteten noch in der syrischen Region Idlib darauf, in Sicherheit zu kommen, hieß es von der türkischen Regierung. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks mussten bislang mehr als 35.000 Menschen in Syrien ihre Häuser verlassen.

Einer der Flüchtlinge sagte, die syrische Armee habe ihre Angriffe auf die 20.000 Einwohner zählende Stadt Kastanas zuletzt verstärkt. "Die Armee zerstört die Häuser und beschießt sie, bis sie in Schutt und Asche liegen", sagte der Mann. "Seit drei Tagen lagen Leichen in den Straßen. Etwa 200 Menschen wurden getötet. Wir haben mit unseren Frauen und Kindern zwei Tage gebraucht, um es in die Türkei zu schaffen."

Annan: "Die Lage am Boden verschlechtert sich weiter"

Auch die Aussicht auf eine Waffenruhe scheint den Konflikt vorerst nicht zu beruhigen. Der UN-Sicherheitsrat hatte am Donnerstag in New York eine Erklärung verabschiedet, in der die syrische Regierung zur Einhaltung der zugesagten Waffenruhe ermahnt wird. Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan , Vermittler der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga in dem Konflikt, sagte, es gebe keine Hinweise darauf, dass die Kämpfe in den von Zivilisten bewohnten Gebieten nachließen.

"Die Lage am Boden verschlechtert sich weiter", sagte Annan vor dem Sicherheitsrat . Der Vereinbarung zufolge müssen die Kämpfe am 12. April um sechs Uhr Ortszeit eingestellt werden. Bereits zwei Tage zuvor, am Dienstag, muss sich die syrische Armee aus den Städten zurückziehen und den Einsatz schwerer Waffen in bewohnten Gebieten beenden.

In dem seit Monaten anhaltenden Konflikt sind nach UN-Angaben etwa 9.000 Menschen getötet worden.