Die Vereinten Nationen werden nun doch erst am Samstag über die Entsendung einer Erkundungsmission nach Syrien entscheiden. Die Verhandlungen seien bisher zäher als erwartet gewesen, hieß es von Diplomaten in New York . Russland stellte sich im Sicherheitsrat gegen eine von westlichen und arabischen Staaten formulierte Resolution. Auch aus Pakistan habe es Vorbehalte gegeben.

Russlands Botschafter Witali Tschurkin zeigte sich unzufrieden mit einzelnen Forderungen. "Wir müssen all das herausstreichen, was für diesen besonderen Zweck nicht wirklich nötig ist", sagte er. In dem Entwurf werden der Führung in Damaskus auch Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen und weitere Maßnahmen des Sicherheitsrats angedeutet. UN-Diplomaten zufolge unterstützt Russland zwar den Plan des Sondergesandten Kofi Annan . Allerdings fürchten die Russen, dass der Westen auf einen Machtwechsel in Syrien nach dem Vorbild Libyens hinarbeite.

Die Vereinten Nationen wollen zunächst 30 Beobachter nach Syrien entsenden. Nach den Worten des französischen UN-Botschafters soll es im Laufe des Tages zur Abstimmung kommen. Wenn das Papier verabschiedet wird, wäre das die erste UN-Resolution seit Ausbruch der Gewalt in Syrien vor 13 Monaten.

Annan fordert klare Formulierungen zur Bewegungsfreiheit

Deutschlands UN-Botschafter Peter Wittig drängt gemeinsam mit den anderen einbringenden Botschaftern darauf, angesichts der fragilen Waffenruhe in Syrien keine weitere Zeit verstreichen zu lassen und die Resolution nun zur Abstimmung zu bringen. Das Mandat müsse aber sicherstellen, dass die Missionsangehörigen nicht vom syrischen Regime behindert werden dürfen.

Zu den umstrittensten Fragen der Resolution gehört die Regelung der Bewegungsfreiheit der Beobachter und ihr Zugang zu Gesprächspartnern. Sondervermittler Kofi Annan hatte hierzu klare Formulierungen gefordert – auch mit Blick auf die Erfahrungen der Arabischen Liga. Deren Beobachter waren vom syrischen Regime an ihrer Arbeit gehindert worden , sodass sie schließlich aufgaben .

Das Erkundungsteam bereitet den Einsatz offizieller UN-Beobachter vor. Die unbewaffneten Experten sollen mit den syrischen Konfliktparteien Kontakt aufnehmen und über die Umsetzung einer vollständigen Einstellung der bewaffneten Gewalt berichten. Sie wurden schon vor Tagen ausgesucht und vorbereitet und warten nur noch auf die Zustimmung des Sicherheitsrats.

Syrische Armee bombardiert Homs

Die offiziellen Beobachter sollen folgen, wenn die seit Donnerstag bestehende Waffenruhe weitgehend stabil ist und das Regime die schweren Waffen aus den Wohngebieten abgezogen hat. Details will UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Montag nennen. Am 19. April soll Ban zudem über die Einhaltung der Waffenruhe berichten.

Trotz geltender Waffenruhe hat die syrische Armee nach Oppositionsangaben aus dem In- und Ausland erneut die Stadt Homs bombardiert. In der Nacht zu Samstag seien zwei Bezirke in der Altstadt von Homs beschossen worden, hieß es von der in Großbritannien tätigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Mehrere Menschen seien verletzt worden, Tote habe es nicht gegeben. Ein Oppositionsaktivist aus der Stadt sagte, innerhalb einer Stunde habe er acht Geschosse gehört. Am Freitag hatte es im ganzen Land Massenproteste gegen Präsident Baschar al-Assad gegeben, Zehntausende Menschen gingen auf die Straße. Vereinzelt kam es zu Zusammenstößen. Dabei starben sechs Menschen.

Ein deutscher Frachter mit Waffen aus dem Iran ist unterdessen kurz vor dem syrischen Mittelmeerhafen Tartus gestoppt worden. Wie Spiegel Online berichtete , hat die Atlantic Cruiser der Emder Reederei Bockstiegel "schweres Militärgerät und Munition" für die Truppen von al-Assad an Bord. Sie hatte die Ladung demnach vor einigen Tagen im Hafen von Dschibuti von einem iranischen Frachter übernommen und sollte ursprünglich am Freitag in Tartus ankommen. Durch Überläufer bei den syrischen Behörden sei die Fracht jedoch bekannt geworden und die Reederei gewarnt worden.